Hospiz macht Schule ist ein Projekt, das Kinder und Jugendliche altersgerecht an die Themen Leben, Sterben, Tod und Trauer heranführt. Monika Brettbacher, Projektleiterin im Landesverband Oberösterreich, hat uns dazu ein Interview gegeben.
Was ist Hospiz macht Schule?
Hospiz macht Schule ist ein Bildungsprojekt, das Kinder und Jugendliche in Schulen behutsam mit den Themen Leben, Sterben, Tod und Trauer in Kontakt bringt. Ehrenamtliche Hospizbegleiter:innen und Koordinator:innen von Hospizteams absolvieren dafür eine Ausbildung und können dann auf Anfrage in Schulen Hospiz macht Schule-Workshops halten. Die Idee dahinter ist, dass junge Menschen lernen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, ohne akuten Anlass, um dann im Ernstfall besser damit umgehen können. Außerdem erfahren sie, was es im Zusammenhang mit schwerer Krankheit, Sterben Tod und Trauer für Angebote gibt. Hospiz macht Schule gibt es in der Steiermark seit 2002, in Niederösterreich seit 2010, bei uns in Oberösterreich läuft das Projekt erst seit 2022, in anderen Bundesländern es das Projekt zum Teil noch gar nicht angelaufen.
Wie ist das Projekt entstanden?
In Oberösterreich kam der Impuls zunächst über Schulen, die Koordinator:innen von Hospizteams in den Ethik- oder Religionsunterricht eingeladen haben, um über ihre Arbeit zu erzählen. Dann wollte ein Kollege einen Workshop organisieren und ist bei der Recherche draufgekommen, dass es da eigentlich schon etwas gibt. Der Landesverband Hospiz Oberösterreich hat dann mit den verschiedenen Hospizvereinen eine Gruppe gebildet. Sonja Thalinger, die in Niederösterreich schon viel Erfahrung hatte, hat uns unterstützt und in Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion wurde mit einer Pilotphase in höheren Schulen begonnen. Da das Projekt bei den Schüler:innen sehr gut angekommen ist, wurde es auf alle Schulen erweitert.
Wie bist Du zu Hospiz macht Schule gekommen?
Ich habe als Krankenpflegerin sieben Jahre auf einer Palliativstation gearbeitet. Die Leiterin der Palliativstation in Vöcklabruck war (und ist) Christina Grebe, die auch den Landesverband Hospiz Oberösterreich als Vorstandsvorsitzende leitet, und sie hat mich als Projektleitung in den Landesverband geholt. Mir macht es total Spaß, mit Schüler:innen über diese Themen zu sprechen und meine Erfahrungen weiterzugeben.
Für welche Altersgruppen ist das Angebot gedacht?
Das Projekt richtet sich an ein sehr breites Altersspektrum, ungefähr von der dritten Klasse Volksschule bis zur Matura. Es gibt kein strenges Curriculum, sondern einen roten Faden. Wir sprechen, angepasst an die Altersgruppen, über Leben, Sterben, Tod und Trauer. Die ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter:innen erzählen aus ihrer Praxis, von ihren Erfahrungen in der Begleitung in der Trauer oder in der letzten Lebensphase. Sie vermitteln auf diese Art viel von der Haltung und zeigen, was es für so eine Betreuung braucht, und dass eigentlich jeder das machen kann.
Wie läuft ein Workshop ab?
Die Workshops werden immer von zwei Personen gehalten, von ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter:innen und manchmal auch mit Hospizteam-Koordinator:innen. Ein Workshop dauert in der Regel fünf bis sechs Stunden, also einen ganzen Vormittag, und wird durch einen Lehrausgang am Nachmittag ergänzt.
Welche Methoden werden verwendet?
Die Ausbildung für Workshop-Moderator:innen dauert vier Tage und vermittelt viele Ideen, wie man das Thema altersgerecht aufbereiten kann. Es gibt da natürlich unterschiedliche Zugänge, etwa über Geschichten und Bücher für die jüngeren, bzw. Kurzfilme und Gruppenarbeiten für die älteren Kinder – sowie interaktive Spiele. Wichtig ist für Jugendliche auch die Kommunikation, also zu besprechen, was man sagen kann und wie man reagieren kann, wenn z.B. der Nachbar stirbt oder jemand im Umfeld betroffen ist. Es geht um einen offenen Zugang, aber nicht um Therapie.
Welche Rolle spielen Hospiz- und Palliativangebote?
Zum Projekt gehört auch, die Strukturen und Begriffe zu erklären. Kinder und Jugendliche erfahren kurz und klar, was eine Palliativstation, ein Hospiz, ein mobiles Team oder ehrenamtliche Begleitung ist. Außerdem bringen die Teams Folder und Informationsmaterial mit, damit die Schüler:innen und Lehrer:innen bei Bedarf wissen, wohin sie sich wenden können.
Wie kommt das Angebot an die Schulen?
Die Schulen können uns direkt kontaktieren. Ich bin z.B. immer wieder bei den Treffen der Ethiklehrer:innen eingeladen. Zusätzlich wird das Projekt über Lehrer:innen, Hospizvereine, Veranstaltungen, Zeitungsberichte und mittlerweile auch über Social Media kommuniziert.
In der Oberstufe steht das Thema in Ethik und Religion im Lehrplan, und da sind die Lehrpersonen oft froh, wenn wir den Workshop halten. Mundpropaganda gibt es natürlich auch, und so wächst das Projekt stetig.
Seit 2022 haben wir zwischen 25 und 30 Klassen, das sind so circa 500 Schüler pro Jahr. Und aktuell haben wir 30 ausgebildete und 25 aktive ehrenamtliche Moderator:innen, die die Workshops halten.
Zusätzlich gehen Koordinator:innen auch manchmal für 2-stündige Vorträge in die Schulen, aber das läuft nicht unter Hospiz macht Schule.
Wie ist die Rückmeldung von Schulen und Eltern?
Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv. Lehrer:innen informieren die Eltern vorab und das Vertrauen ist in der Regel vorhanden. Auch bei jüngeren Kindern gibt es keine größeren Vorbehalte, weil die Themen nicht zu tief oder zu belastend behandelt werden, sondern kindgerecht und behutsam.
Was ist das Ziel des Projekts?
Ein Ziel ist, dass Hospizarbeit und Palliativversorgung in der Öffentlichkeit in einem anderen Licht gesehen werden. Das Projekt soll dazu beitragen, dass Menschen früher an Unterstützung denken und Hospizangebote nicht erst im allerletzten Moment wahrnehmen. Gleichzeitig kann es dazu beitragen, dass die Hospizbewegung sichtbarer und besser verstanden wird.
Wie kommen die Workshops bei den Kindern und Jugendlichen an?
Jüngere Kinder sind sehr interessiert und wollen auch technisch alles genau wissen, wie z.B. eine Bestattung abläuft etc. Es kommt vor, dass ältere Jugendliche vor dem Workshop sehr kritisch sind, aber danach ist das Feedback immer äußerst positiv. Für manche ist es ein Anstoß, selbst einen Sozialberuf in Erwägung zu ziehen, oder das Thema in die Familie zu tragen. Diese nachhaltige Wirkung macht das Projekt auch so wertvoll.
Wie wird über Krankheit, Sterben, Tod und Trauer in der Gesellschaft gesprochen, oder erlebst Du das Thema noch immer als tabuisiert?
Es ist über die Strukturen – Hospize, Palliativstationen und mobile Teams – heute schon viel mehr bekannt als früher. Die größte Hürde ist aus meiner Sicht nicht das (Un)Wissen, sondern das Annehmen von Hilfe in einer persönlichen Krankheitssituation. Genau deshalb ist es wichtig, frühzeitig über diese Themen zu sprechen, damit Unterstützung nicht erst dann angenommen wird, wenn es schon fast zu spät ist.
Was wünscht Du Dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass das Projekt weiterwächst, und mehr Schulen und mehr ausgebildete Moderator:innen dazukommen. Ich wünsche mir, dass die Hospizvereine die nötigen Ressourcen für das Projekt haben, denn die Betreuung Schwerkranker bleibt immer die erste Priorität.
Die Herausforderung liegt vor allem darin, Zeit, Personal und Struktur so zu koordinieren, dass sowohl die Begleitung von Patient:innen, als auch die Bildungsarbeit möglich bleibt.
Die Bildungsarbeit ist auch eine ganz wichtige Form nachhaltiger Öffentlichkeitsarbeit, die Wissen, Haltung und Gesprächsräume schafft. Kinder, Jugendliche und Erwachsene bekommen einen Zugang zu einem Thema, das oft vermieden wird, aber zum Leben dazugehört. Darum ist das Projekt so wertvoll.
Vielen Dank für das Gespräch!
Monika Brettbacher ist DGKP mit jahrelanger Erfahrung auf einer Palliativstation und
arbeitet als Projektleiterin für „Hospiz macht Schule“ für den Landesverband Hospiz OÖ
Weitere Infos zu Hospiz macht Schule-Angeboten
Oberösterreich https://www.hospiz-ooe.at/projekte/ , Folder https://www.hospiz-ooe.at/wp-content/uploads/2025/03/hospiz-macht-schule-web-211024.pdf
Niederösterreich https://www.hospiz-noe.at/projekte/hospiz-macht-schule/
Steiermark https://hospiz-stmk.at/projekte/hospiz-macht-schule/
Weitere Infos Infos zum Thema
Hospiz macht Schule Workshops: Im Sterben etwas über das Leben lernen
