Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Österreich

Österreichweites Vernetzungstreffen der Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung (BAT)

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„Welche Erfahrungen und neuen Erkenntnisse können wir aus der Zeit der Pandemie für die Trauerbegleitung in unserer täglichen Praxis mitnehmen?“ – Diese Frage stand im Fokus des Vernetzungstreffens der Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung, das am 3. März 2021 das erste Mal online, via Zoom, durchgeführt wurde.

Austausch

Rund 45 Teilnehmer*innen aus ganz Österreich trafen sich für zwei Stunden im virtuellen Raum, um über die Herausforderungen und Möglichkeiten des letzten Jahres zu reflektieren, sich gegenseitig zu bestärken, und sich gleichzeitig über neue Formen der Trauerbegleitung auszutauschen.

Nach der Begrüßung und einer Einstiegsrunde folgte ein kurzer Impuls mit Auszügen des zuletzt erstellten Grundsatzpapiers der BAT zu „Trauerbegleitung am Telefon oder über online Medien“.

Danach folgte ein Austausch in Kleingruppen zu den Herausforderungen, Handlungsmöglichkeiten und den Lernerfahrungen; die Ergebnisse wurden im Anschluss im Plenum vorgestellt. Neben den „normalen“ Trauerthemen kam die Einsamkeit von betroffenen Trauernden sowie die Schuldfrage („Ich habe meine Angehörige angesteckt und sie ist verstorben“) in den letzten Monaten häufig zur Sprache, sowohl in der Begleitung der Erwachsenen wie auch bei der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen. Essenziell war und ist – so die Trauerbegleiter*innen -, verstärkt telefonisch erreichbar zu sein, sowohl für die betroffenen Menschen wie auch für die haupt- und ehrenamtlichen Kolleg*innen. In der Begleitung von Kindern und Jugendlichen ist besonders darauf zu achten, diesen konkrete Informationen zu COVID-19 zukommen zu lassen und aktiv anzusprechen, um etwaige Ängste zu minimieren.

Kreative Lösungen

Folgend ein kurzer Auszug der Vielfalt an Kreativität, mit der versucht wird, die trauernden Menschen in der Praxis zu begleiten:

  • WhatsApp-Gruppen – „ich bin nicht allein in meiner Trauer“, es kann schnell reagiert werden, sowohl von anderen Gruppenmitgliedern wie auch von dem*der Trauerbegleiter*in
  • Größere Trauergruppen wurden in Klein- bzw. Kleinstgruppen aufgeteilt, oder es wurden persönliche Einzelbegleitungen im Freien bzw. unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen organisiert
  • Trauerwandern, Trauerspaziergänge, Trauer-Telefon-Spaziergänge, gemeinsame Friedhofsbesuche haben stattgefunden
  • Virtuelle Trauerräume, um sich mit der eigenen Trauer auseinanderzusetzen, wurden installiert (Videos, Möglichkeit etwas zu posten, etc.)
  • Mobile Gedenkstätten in Alten- und Pflegeheimen – wenn Trauernde das Heim nicht verlassen können/konnten, gibt es die Möglichkeit sich mit einer Kerze dort zu verabschieden (ein Beispiel sehen Sie am Foto)
  • Für Trauernde wurden Blumen, Infomaterialien, etc. an der Haustür abgelegt, „Zaungespräche“ waren willkommen, Karten wurden ans Grab gebracht, …

Stimmen der Teilnehmenden

„Digitale Angebote sind mehr als eine Notlösung – sie können regionale Grenzen sprengen.“

„Manchmal muss man die Leute zu ihrem Glück zwingen.“ (Anmerkung: zur Teilnahme an online-Treffen, nachdem manche Trauernde dieses Angebot zuerst nicht in Anspruch nehmen wollten oder konnten, haben sie es zu einem späteren Zeitpunkt schätzen gelernt)

„Die Maske (Anm. MNS/FFP2) hat mir Schutz gebracht.“ – Aussage einer trauernden Person

„Virtuelle Treffen und Telefonate können Präsenztreffen nicht ersetzen!“

„Für die Zukunft wünsche ich mir einen guten Mix aus online-Treffen und dem persönlichen Wiedersehen.“

Ausblick auf Symposium 2022

Nachdem das für Herbst 2020 geplante Symposium „Trauer Leben – Gefühle begreifen“ pandemiebedingt verschoben werden musste, dürfen wir Sie bereits jetzt auf den neuen Termin – 30. März 2022, in St. Virgil, Salzburg – hinweisen. Wir freuen uns auf ein persönliches Wiedersehen!

Foto: Mobile Gedenkstätte in einem steirischen Pflegeheim,
copyright: Monika Brottrager-Jury, Pflegeheimseelsorgerin

Logo BAT

Patienten-Verfügung in einfacher Sprache

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Der Dachverband Hospiz Österreich hat gemeinsam mit der ARGE PatientenanwältInnen einen Leicht Lesen – Ratgeber zur Patienten-Verfügung herausgegeben. Er entspricht dem Qualitäts-Standard von capito und ist TÜV-zertifiziert (A2 Leicht Lesen).

Der Leicht Lesen – Ratgeber zur Patienten-Verfügung wurde auf Initiative der Kärntner Patientenanwaltschaft sowie der Anwaltschaft für Menschen mit Behinderung erarbeitet.

Dieser Ratgeber ist für Menschen

mit den folgenden Beeinträchtigungen geeignet:

  • Lese- und Lernschwierigkeit
  • Nicht-Deutsch als Erstsprache

Das Formular selbst ist unverändert, um die Einheitlichkeit zu gewährleisten. Es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Man füllt das Formular direkt am Computer aus und druckt es dann aus. Dazu braucht man ein spezielles Programm (kostenloses Adobe Acrobat Reader).
  • Man druckt das Formular aus und füllt es mit der Hand aus.

Hauskrankenpflege im Zentrum – HiZ Ein Projekt, das seinen Weg geht, trotz Covid-19

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Was ist HiZ?

HiZ ist ein österreichweites Projekt von Hospiz Österreich gemeinsam mit den für das Projekt Verantwortlichen aus den Bundesländern Kärnten, Oberösterreich, Steiermark und Vorarlberg. Das sind die landeskoordinierenden Hospiz- und Palliativorganisationen, in Vorarlberg dazu noch Connexia, Gesellschaft für Gesundheit und Pflege und der Landesverband Hauskrankenpflege, und die 21 Träger und die Krankenpflegevereine aus Vorarlberg. HiZ hat am 01.01.2019 begonnen und geht bis 31.12.2022. Die Bundesländer Tirol, Salzburg und Burgenland sind als Beobachter*innen vertreten. Das Ziel des Projektes ist es, über Maßnahmen der Organisationsentwicklung und Fortbildung die Mitarbeitenden der Hauskrankenpflege/Mobile Betreuung und Pflege in ihrer Arbeit mit schwerkranken und sterbenden Menschen zu unterstützen und die Zusammenarbeit mit zentralen Stakeholdern in der Betreuung (Allgemeinmediziner*innen, spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung, Rettung, Apotheken, …) zu verbessern. Durch das Projekt ‚Hauskrankenpflege im Zentrum – HiZ‘ soll der Wunsch der Menschen, zu Hause betreut zu werden und auch zu Hause versterben zu können, stärker als bisher Realität werden.

Wie arbeitet HiZ?

Im Projekt HiZ arbeiten die 21 Träger und die Krankenpflegevereine aus Vorarlberg gemeinsam mit den Projektverantwortlichen aus den teilnehmenden Bundesländern in einem übergeordneten, österreichweiten Netzwerk zusammen. In diesen Netzwerktreffen erarbeiten sie mit der Begleitung von Hospiz Österreich und Univ. Prof. Dr. Ralph Grossmann, Organisationsberater, die für sie passende Umsetzung im Bundesland. Das Knowhow und die Erfahrungen aus dem Wiener Pilot, in welchem vier Träger (Arbeitersamariterbund, Caritas ED WIEN, Caritas Socialis CS, Volkshilfe Wien) in einem dreijährigen Projekt (2015 – 2018) sehr viel an Expertise und Erfahrung zur Umsetzung von Hospizkultur in der Hauskrankenpflege erarbeitet haben, fließen in die Netzwerktreffen mit ein. Mehr zum Wiener Pilotprojekt unter www.hpc-mobil.hospiz.at. Auf diese Weise werden Synergien optimal genutzt. Das vernetzte Arbeiten bringt zusätzliche Ideen, stärkt die Motivation und gibt viel Kraft, um kontinuierlich die Umsetzung auf Bundeslandebene gut voranbringen zu können. Diese wird von der landeskoordinierenden Hospiz- und Palliativorganisation, in Vorarlberg zusätzlich von Connexia und dem Landesverband Hauskrankenpflege getragen. Die Evaluierung des Projektes erfolgt durch das Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der Wirtschaftsuniversität Wien, Mag.a Eva More-Hollerweger. Das Projekt wird anteilig vom Fonds Gesundes Österreich gefördert.

Was ist seit Projektbeginn in HiZ passiert?

In drei großen Netzwerkarbeitstreffen mit den Vertretungen der Träger und Krankenpflegevereine und den für das Projekt Verantwortlichen auf Bundeslandebene wurde an der Umsetzung gearbeitet. Alle benötigten Trainer*innen wurden in drei Trainer*innenschulungen ausgebildet. Die Palliativbeauftragten absolvieren zum Teil schon eine Grundausbildung, den Interprofessionellen Palliativbasislehrgang. Mit den dreitägigen Workshops für die Mitarbeiter*innen wurde begonnen, große Veranstaltungen für und mit den operativen Führungskräften wurden geplant bzw. durchgeführt. An den Zielen, Leistungen und Indikatoren wurde gearbeitet, ebenso an der Integration der neuen Rolle der Palliativbeauftragten. Das Curriculum der Mitarbeiter*innenworkshops wurde auf CoVid-19 Bedingungen adaptiert, in Vorarlberg wurde ein eigenes für Palliativbeauftragte entwickelt. Das alles ist nur ein kleiner Auszug aus dem Vielen, das einerseits auf Österreichebene und dann angepasst an das jeweilige Bundesland, bis dato umgesetzt wurde.

HiZ und CoVid-19

Ab März 2020 wurde es ein sehr herausforderndes Projektjahr. CoVid-19 hat im Projektverlauf Vieles durcheinander gebracht. Mehr Abstimmung hat uns geholfen, bestmöglich und flexibel auf die Situationen, die CoVid-19 ausgelöst hat, reagieren zu können. Wir haben Termine verschoben mit allen Konsequenzen – neue Räume finden, mit allen Beteiligten neue Termine vereinbaren usw. Onlinekompetenz wurde erarbeitet, und das entsprechende technische Equipment wurde gekauft. In der Folge wurde begonnen Arbeitstreffen auf Österreichebene wie im Bundesland online abzuhalten. Nur bei den Workshops waren sich bisher alle einig, dass diese nicht online durchführbar sind, da es bei den Workshops viel um die Haltung zu Hospiz und Palliative Care geht. Das Einfühlen, Nachspüren, Nachempfinden, Reflektieren und die Erfahrung der Teilnehmenden werden sehr direkt miteinbezogen, Mitarbeiter*innen mit unterschiedlichem Ausbildungsniveau werden gleichzeitig angesprochen. Am 19.01.2021 hatten wir ein österreichweites Zoom-Treffen mit allen Verantwortlichen aus den Bundesländern und allen Trägervertretungen. ES WAR SEHR BEEINDRUCKEND, und ist unter den Titel zu stellen: „HiZ lässt sich NICHT unterkriegen“. Die Motivation ist da, sogar verstärkt, weil alle noch mehr davon überzeugt sind wie notwendig, wichtig und unterstützend HPC in der Hauskrankenpflege ist, im normalen Arbeitsalltag und verstärkt in der Krisensituation. Natürlich braucht das Projekt mehr Zeit als ursprünglich vorgesehen, nämlich rund 1 – 1,5 Jahre, um z.B. 80% Durchschulungsrate in jedem Träger zu erreichen. Alle Verantwortlichen, Träger, Krankenpflegevereine waren seit März 2020 trotz der vielen zusätzlichen Herausforderungen zu HiZ aktiv und sind es nach wie vor. Der österreichweite Austausch passiert mit großer Offenheit, das Eigene wird wechselseitig den anderen zur Verfügung gestellt. Verantwortliche, die Kooperation und Vernetzung leben, tragen dazu bei, dass die wichtigen Themen, die im Projekt HiZ vermittelt werden sollen, ankommen und voranschreiten, auch unter CoVid-19.

Warum hat HiZ – Hauskrankenpflege im Zentrum verschiedene Namen?

HPC Mobil – Hospizkultur und Palliative Care in der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause

HiM OÖ – Hospizkultur und Palliative Care in den Mobilen Diensten

HPC zuhause Hospizkultur und Palliative Care zuhause

Das Projekt HiZ hat die Aufgabe, die Verantwortlichen, die Träger und Krankenpflegevereine jeden Bundeslandes zu unterstützen, den passenden Pilot zu entwickeln und aufbauen zu können. Die mobile Pflege und Betreuung zu Hause ist in den Bundesländern hinsichtlich den Ausgangsvoraussetzungen und der Durchführung unterschiedlich. In Vorarlberg z.B. gibt es einen sehr hohen Anteil an diplomiertem Personal in der Hauskrankenpflege, von denen viele bereits über Grundlagen in Hospiz und Palliative Care verfügen. Das ist in anderen Bundesländern nicht der Fall. Alle teilnehmenden Bundesländer werden durch die Integration von Hospizkultur und Palliative Care in der Hauskrankenpflege ihre Mitarbeiter*innen in der Arbeit mit schwerkranken und sterbenden Menschen erheblich unterstützen. Das Niveau und die Qualität der Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen wird sich bei allen teilnehmenden Trägern und Krankenpflegevereinen zum Wohle der schwerkranken und sterbenden Patient*innen und deren Angehörigen bzw. Vertrauenspersonen verbessern.

Dr.in Sigrid Beyer, Hospiz Österreich, Bereichsleitung HPC in der Grundversorgung, sigrid.beyer@hospiz.at;
Maria Eibel, BSc MA MBA, Hospiz Österreich, Koordination HPC in der Grundversorgung, maria.eibel@hospiz.at 

Ansprechpersonen in den Bundesländern:

Oberösterreich: Landesverband Hospiz Oberösterreich,
Projektleitung: Dr.in Birgit Hofmann-Bichler, birgit.hofmann-bichler@gmx.at

Kärnten: Landesverband Kärnten für Hospiz- und Palliativeinrichtungen
Projektleitung: DGKP Brigitte Pekastnig; office@klv-hospiz.at
Projektkoordination: Mag.a (FH) Anita Freithofnig-Aigner, anita.freithofnig.aigner@klv-hospiz.at

Steiermark: Hospizverein Steiermark
Projektkoordination: Mag.a Karin Oblak, hpc-mobil@hospiz-stmk.at

Vorarlberg: Projektleitungsteam
Hospiz Vorarlberg: Dr. Karl Bitschnau MAS, karl.bitschnau@caritas.at 
Connexia – Gesellschaft für Gesundheit und Pflege: Dietmar Illmer, dietmar.illmer@connexia.at 
Hauskrankenpflege Vorarlberg: Mag.a Angela Jäger, aj@hauskrankenpflege-vlbg.at

Foto Copyright: DV Hospiz Ö

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Beihilfe zum Suizid

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…„oder ihm dazu Hilfe leistet“ – Diese fünf Worte in Paragraph 78 des Strafgesetzbuches, der die Beihilfe zum Suizid bisher unter Strafe stellt, hat der österreichische Verfassungsgerichtshof in seinem Erkenntnis im Dezember 2020 als verfassungswidrig eingestuft.

Nun wird es auf die weitere gesetzliche Ausgestaltung ankommen, welche Rahmenbedingungen festgelegt werden.

Stellungnahme des Dachverbandes Hospiz Österreich

Waltraud Klasnic, Vorsitzende des Dachverbandes Hospiz Österreich, führte und führt laufend viele Gespräche mit unterschiedlichen Gruppen und Institutionen zu diesem Thema.

Zusätzlich hat der Dachverband Hospiz Österreich im Vorstand eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt. Ausgangspunkt sind neben den bisherigen Positionierungen des Dachverbandes und der Österreichischen Palliativgesellschaft sowohl Grundlagen der WHO und EAPC als auch Erfahrungen aus anderen Ländern.

Fachimpulse und Diskussion für alle

„Mitwirkung am Suizid – Über die Grenzen des Helfens nachdenken“ ist eine online Veranstaltung am 28.4.2021 um 19:00 Uhr für alle Interessierten, die das Haus der Begegnung Innsbruck gemeinsam mit dem Arbeitskreis Wissenschaft und Verantwortlichkeit (WuV), der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und dem Dachverband Hospiz Österreich veranstaltet. Sie sind herzlich eingeladen!

Bild aufblühende Schneerose

Auf dem Weg zu einer Regelfinanzierung in der Hospiz- und Palliativversorgung

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Bild aufblühende Schneerose

Eine Regelfinanzierung, also Finanzierung durch öffentliche Gelder, für alle Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung war immer ein großes Ziel des Dachverbandes Hospiz Österreich und vieler seiner Mitglieder. Derzeit scheint das Ziel in greifbare Nähe gerückt.

Was in den 1970er und 1980er Jahren unter großem ehrenamtlichem Engagement begann, hat heute eine beachtliche Entwicklung hinter sich. Laut dem EAPC Atlas für Hospiz- und Palliativversorgung in Europa liegt Österreich derzeit bei der Anzahl der spezialisierten Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Relation zur Einwohner*innenzahl im Spitzenfeld.

2016 Einsetzen des Hospiz- und Palliativforums

Im Anschluss an die Parlamentarische Enquete-Kommission „Würde am Ende des Lebens“ 2014/15 wurde das Hospiz- und Palliativforum gegründet. Eine der vier Aufgaben betrifft die Mitarbeit an der Entwicklung einer Regelfinanzierung. Ein wichtiger Schritt dazu war die Beauftragung der Gesundheit Österreich GmbH mit einer Studie über die aktuellen (und sehr unterschiedlichen) Finanzierungsmodelle der spezialisierten Hospiz- und Palliativeinrichtungen in ganz Österreich. Der Endbericht ist gerade in Ausarbeitung.

Dezember 2020 Entschließungsantrag im Parlament

Auf Antrag des Familienausschusses verabschiedete der Nationalrat am 11.12.2020 einstimmig einen Entschließungsantrag. Ausgangspunkt war die Sicherstellung der Finanzierung der Hospiz- und Palliativversorgung für Kinder und Jugendliche, der Entschließungsantrag war allgemeiner formuliert: „Die zuständigen Mitglieder der Bundesregierung werden ersucht, die Hospiz- und Palliativversorgung für Kinder und Erwachsene im Rahmen der Pflegereform möglichst rasch in die Regelfinanzierung überzuführen sowie den Ausbau von Hospiz- und Palliativangeboten weiter voranzutreiben. Weiters wird ersucht, mit den Ländern und Sozialversicherungen die zur Umsetzung notwendigen Gespräche zu führen.“

2021 Hospiz und Palliative Care als Bereiche der Taskforce Pflege

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz hat 2020 unter Bundesminister Rudolf Anschober einen Pflegereformprozess eingeleitet und dazu auch eine Taskforce Pflege gegründet. Die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses wurden im Oktober 2020 diskutiert und im Jänner 2021 in einem Endbericht zusammengefasst. Sie fließen in die Gestaltung der Pflegereform ein. Es ist uns gelungen, den Bereich Hospiz und Palliative Care in diesem Prozess und im Endbericht in zwei Zielen zu verankern:

  • Ziel 14: Palliative Care zur Unterstützung der Angehörigen und für einen längeren Verbleib zu Hause etablieren und
  • Ziel 17: Überführen der Hospiz- und Palliativbetreuung in die Regelfinanzierung

Wir schätzen die Gesamtsituation so ein, dass es noch nie in der Geschichte so realistisch war wie jetzt, eine Regelfinanzierung zu erreichen, auch wenn nach wie vor viele Hürden zu überwinden sind.

Hintergrundinformation:

Überblick über die Verankerung der Hospiz- und Palliativversorgung im österreichischen Gesundheits- und Sozialsystem 
Stand 22.2.2021, zusammengestellt von Leena Pelttari und Claudia Nemeth

Foto: Copyright Nevin Altintop
Cover Broschüre begleiten bis zuletzt bosnisch, kroatisch, serbisch

„Begleiten bis zuletzt“ nun auch in Bosnisch-Kroatisch-Serbisch

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Cover Broschüre begleiten bis zuletzt bosnisch, kroatisch, serbisch

Die beliebte und praxisnahe Broschüre „begleiten bis zuletzt – Ratgeber für Angehörige von schwerkranken Menschen“ ist nun auch in der Sprachfamilie Bosnisch-Kroatisch-Serbisch verfügbar.

Durch eine Kooperation mit dem BELhospice in Belgrad wurde eine Übersetzung möglich, die bewusst so gehalten ist, dass sie auch für Menschen mit bosnischer und kroatischer Muttersprache verständlich ist. Am Ende der Broschüre finden sich neben den österreichischen Adressen auch Kontaktadressen zu Hospiz- und Palliativverbänden bzw. -einrichtungen in Bosnien, Kroatien, Nord-Mazedonien, Serbien und Slowenien.

Damit ist „begleiten bis zuletzt“ nun in fünf Sprachen erhältlich: Deutsch, B/K/S, Rumänisch, Slowakisch und Ungarisch.

Sie können die Broschüren hier downloaden oder bestellen (für Privatpersonen kostenfrei):

Wir danken Nikola Vucen, ohne dessen großes Engagement diese Broschüre nicht entstanden wäre, und den Mitarbeiter*innen des BELhospice sowie Naida Dzaka und Almir Zundja und allen weiteren Beteiligten für Übersetzung und Korrekturen. Danke an Druckfertig, Klepp & Partners Werbeagentur für das Layout!

Wir danken dem Österreichischen Sparkassenverband und der ERSTE Stiftung sehr herzlich für die finanzielle Unterstützung dieses Projektes!

Unheilbar kranke Kinder und Jugendliche – in der Öffentlichkeit wenig beachtet

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Kinder und Jugendliche mit einer unheilbaren, lebensverkürzenden Erkrankung haben gemeinsam mit ihren Familien ein schweres Los zu tragen. Die Krankheit, die Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer gehören zum Alltag – oft über einen langen Zeitraum hinweg.

NEU 1. Juni – Österreichischer Kinderhospiz- und Palliativtag
Um dem Thema mehr Raum zu geben hat sich Hospiz Österreich entschlossen, in Anlehnung an den deutschen „Tag der Kinderhospizarbeit“ (10.2.) einen österreichischen Gedenktag einzuführen . Damit soll in der Gesellschaft das Bewusstsein für die Arbeit der Hospiz- und Palliativeinrichtungen, die sich um Familien mit schwerkranken Kindern kümmern, geschaffen werden.

Am 1. Juni, dem internationalen Kindertag, wird künftig in Österreich auf die Situation schwerkranker Kinder und ihrer Familien aufmerksam gemacht. Der Österreichische Kinderhospiz- und Palliativtag wird am 1. Juni 2021 erstmals begangen.

Situation in Österreich
Österreichweit sind geschätzt rund 5.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Viele davon benötigen professionelle Betreuung und Unterstützung.

Spezialisierte pädiatrische Hospiz- und Palliativeinrichtungen haben die Aufgabe, sich um diese jungen Patient*innen, ihre Eltern und ihre Geschwister zu kümmern. Besonders geschultes Personal betreut und begleitet die gesamte Familie ab der Diagnose im Leben, im Sterben und in der Zeit der Trauer.

Gegenwärtig gibt es in Österreich 31 spezialisierte Einrichtungen:

  • 12 Kinder-Hospizteams, die in allen Bundesländern tätig sind und den Familien Begleitung durch qualifizierte Kinder-Hospizbegleiter*innen bieten. (2019 wurden 215 Familien bzw . 156 Patient*innen begleitet)
  • 14 Mobile Kinder-Palliativteams, die in allen Bundesländern (ausgenommen Vorarlberg) aktiv sind und medizinische, pflegerische und therapeutische Betreuung bei den Familien zu Hause leisten. (2019 wurden 559 Patient*innen betreut)
  • 4 Einheiten Pädiatrische Palliativbetten, die in Krankenhäusern in vier Bundesländern eingerichtet sind und Patient*innen und ihre Familien in schweren Krisen versorgen. (2019 waren 114 Patient*innen aufgenommen)
  • Ein Stationäres Kinder-Hospiz mit psychosozialer Ausrichtung im Burgenland, das Familien aus ganz Österreich für einen Aufenthalt zur Entlastung und Unterstützung zur Verfügung steht (2019 waren 55 Patient*innen aufgenommen); ein weiterer Kinder-Hospizplatz ist in Niederösterreich eingerichtet.

Weitere Therapie-, Erholungs- und Urlaubsangebote bieten Entlastung für die gesamte Familie; eigene Trauerangebote unterstützen in der Zeit der Trauer.
Das Angebot erfuhr in den letzten Jahren einen beachtlichen Ausbau, trotz fehlender Regelfinanzierung. Bundesweit ist der Bedarf aber noch nicht gedeckt, und so können viele Familien, die eine spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung benötigen würden, keinen entsprechenden Dienst in Anspruch nehmen.

Regelfinanzierung in Aussicht
Am 11. Dezember 2020 stimmte der Nationalrat einstimmig für die Sicherstellung der Finanzierung von Hospiz- und Palliativversorgung – im Besonderen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – und forderte die Bundesregierung auf, entsprechende Schritte zu setzen. Hospiz Österreich begrüßt diesen Entschluss ausdrücklich, denn gerade in diesem Bereich sind Einrichtungen und Teams noch sehr von Projektfinanzierungen und privaten Zuwendungen abhängig.

Mehr Info unter www.kinder-hospiz.at und www.kinder-hospiz.at/statistik/.

Herzliche Einladung: Verleihung Hildegard-Teuschl-Preis 2020

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Der Hildegard-Teuschl-Preis zeichnet herausragende wissenschaftliche Arbeiten und innovative Projekte im Kontext Hospiz und Palliative Care aus und ist mit insgesamt 6.000 Euro dotiert.

Die feierliche Verleihung findet am 3. März 2021 von 19.00 – 20.30 Uhr als Online-Veranstaltung statt. Zu dieser möchten wir Sie, liebe Leserin und lieber Leser, herzlich einladen! Anmeldefrist ist der 1. März

Programm

  • Begrüßung
    Mag.a Leena Pelttari, MSc., Geschäftsführerin Dachverband Hospiz Österreich
  • Aktuelles und Zukünftiges aus dem Universitätslehrgang Palliative Care
    Doris Schlömmer MMSc., Studiengangsleiterin Universitätslehrgang Palliative Care
  • Laudatio
    Mag.a Karin Weiler CS, Bereichsleitung Sozial Pastorale Dienste, Werte und Ehrenamt der Caritas Socialis Wien
  • Preisverleihung & Vorstellen der Gewinner*innen  
  • Fachvorträge und Vorstellen der ausgezeichneten Projekte und Arbeiten 

Die Jury, die in diesem Jahr aus Dr. Karl Bitschnau, Univ. Prof. Dr. Johannes Meran, Dr. Patrick Schuchter, MPH und Mag.a Karin Weiler CS bestand, wählte aus den 22 Einreichungen folgende Gewinner*innen:

1. Preis

Mag. Christine Hintermayer (stellvertretend für vier Institutionen), Projekt Hospizkultur und Palliative Care in der mobilen Pflege und Betreuung (HPC Mobil) wirkt weiter

Ausgezeichnet wird die Nachhaltigkeitsgruppe der vier Organisationen Arbeiter Samariterbund Wien, Caritas der Erzdiözese Wien, CS Caritas Socialis und Volkshilfe Wien. Diese Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch nach Projektende trägerübergreifend die Zusammenarbeit der Palliativbeauftragten und der HPC-Mobil-Trainer*innen zu fördern, die Vernetzung mit Hausärzt*innen, dem Entlassungsmanagement und spezialisierten Palliativeinrichtungen voranzutreiben und die Inhalte von HPC Mobil weiter zu geben. Das NPO Institut der WU Wien hat eine Evaluierungsstudie des Projektes HPC Mobil durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mitarbeiter*innen jetzt mehr die Wünsche und Bedürfnisse der Kund*innen erfassen, dokumentieren und besser einschätzen können, wann bei Kund*innen das Sterben absehbar ist.

2. Preis

Dr.in Renate Riesinger, Masterarbeit (MSc Palliative Care ULG Salzburg) „Schwerer ischämischer Schlaganfall – Herausforderungen für Zugehörige und Behandlungsteams“

In ihrer Masterarbeit beschreibt Dr.in Renate Riesinger, Palliativmedizinerin am Krankenhaus Ried im Innkreis, Kompetenzen, die Teammitglieder von Stroke Units (Abteilungen, die Patient*innen mit akuten Schlaganfällen betreuen) brauchen, um mit Themen des Lebensendes adäquat umgehen zu können. Dies sind z.B. Wissen und Strategien, um Therapiezieländerungen und Entscheidungen über Therapien am Lebensende unter Berücksichtigung ethischer oder rechtlicher Aspekte treffen zu können. Eine enge Zusammenarbeit mit palliativmedizinischen Einrichtungen kann hilfreich sein, um Behandlungsteams sowie Zugehörige in Kommunikation und Entscheidungsfindung zu unterstützen, aber auch, um Menschen mit schwerem Schlaganfall angemessen zu betreuen.

3. Preis

Sabine Walzer, Projekt Leuchtturm (Palliative Demenz)

Mit dem abgeschlossenen Projekt Leuchtturm der CS Caritas Socialis in Wien werden die beiden Kernthemenfelder ‚Demenz‘ und ‚Palliative Care‘ verbunden, da bei einer sehr großen Kund*innengruppe beides relevant ist. Das Palliative Care Knowhow der Pflegepersonen ist durch die HPC – Projekte bereits gut etabliert, das Wissen über Demenz wird laufend gefördert und gefestigt. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit und das Verständnis der verschiedenen Berufsgruppen füreinander – inklusive der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen – hat sich gut gestaltet. Die Ziele des Projektes waren

  • Stärkung der vorausschauenden Planung bei Menschen mit Demenz
  • Bessere Einbindung von Angehörigen insbesondere in den letzten Lebenswochen
  • Verbesserung der Lebensqualität insbesondere bei herausforderndem Verhalten
  • Raschere Adaption der Medikation und bessere Berücksichtigung einer eventuellen Schmerzsituation
  • Ausbau der Kapazitäten Psychologie, Gerontopsychiatrie
  • Schaffung von Austauschmöglichkeiten zwischen Palliativmediziner*innen, Psychologinnen, Gerontopsychiater*in und den Teams

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und bitten um Anmeldung bis zum 1 . März 2021 –>> hier 

Die Veranstaltung ist kostenlos und findet mit Zoom statt.


Mag.a Sr. Hildegard Teuschl CS (1937-2009) war Pionierin der österreichischen Hospiz- und Palliativbewegung und langjährige Vorsitzende des Dachverbandes Hospiz Österreich.

„Hildegard Teuschl hat pionierhaft ein Fundament für die Hospizarbeit gelegt. Dass es in allen Bundesländern eine aktive Hospiz- und Palliativbewegung gibt, dass ein Netzwerk aus ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter*innen besteht und dass zahlreiche Aus- und Weiterbildungen in Palliative Care bis hin zum Master of Science (MSc) angeboten werden, ist ihr zu verdanken.“

Waltraud Klasnic, Präsidentin Dachverband Hospiz Österreich

„Und jetzt steht Weihnachten vor der Tür“ – Leben und Sterben im Pflegeheim in Zeiten von Covid-19: ein Projekt aus Tirol

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Im Rahmen eines Pilotprojektes von Juli 2020 bis November 2020 wurden das Haus Elisabeth in Silz und das Sozialzentrum Sölden von der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und der Tiroler Privatuniversität UMIT Tirol mit Blick auf die aktuelle Notsituation begleitet. Da alle Alten- und Pflegeheime derzeit besonders unter Druck sind, teilen wir gern den ersten Projektbericht mit Ihnen. Im ersten Halbjahr 2021 wird es zusätzlich eine wissenschaftliche Auswertung/Studie geben.

17.12.2020 – „Es wird eine Weihnachtsfeier mit den Bewohner*innen im kleinen Rahmen geben, aber sicher nicht in der Form, wie wir das immer gehabt haben, mit vielen Angehörigen und Musik und allem Drum und Dran,“ meint eine Mitarbeiterin eines Pflegeheims wehmütig.

Dilemma zwischen Schutz und Freiheit

Was im Jahresverlauf in Pflegeheimen bisher als selbstverständliche Grundsäulen galten, bröckelte durch Covid-19 oder zeigte sich in veränderter Form. Während Bewohner*innen bis März 2020 ihr Leben je nach körperlicher Verfassung und psychisch-seelischer Konstitution möglichst autonom gestalten konnten, wurden sie mit dem ersten Lockdown zu ihrem Schutz in ihrer Selbstbestimmung und Freiheit stark eingeschränkt. Für alle Beteiligten war dieses Dilemma zwischen Schutzbestimmungen und Freiheitseinschränkungen belastend und herausfordernd .

Das Heim als sozialer Treffpunkt steht nicht mehr zur Verfügung, das Bedürfnis nach Kontakt und Besuchen kann nicht annähernd erfüllt werden. „Die ersten zehn Wochen war es ganz gut, dann ist es immer schlimmer geworden, man hat die Wochen gezählt, dass man wieder ins Freie oder raus gehen konnte zu den Angehörigen. Dann ist es schlimmer geworden, es hat geheißen, das und das geht wieder, die Schulen gehen an und wir sitzen immer noch immer drinnen…“, beschreibt eine Heimbewohnerin die Situation.

Durch die Flexibilität des Heimpersonals wurden andere Kommunikationsmöglichkeiten wie zum Beispiel skypen oder der Besuch im Heim durch die Abtrennung mit einer Plexiglasscheibe ermöglicht. Dennoch stößt man auch damit an Grenzen: es gab keine Möglichkeiten, sich zu umarmen oder eine Hand zu halten. Diese und andere emotionalen Herausforderungen führten bei den Bewohner*innen, den Angehörigen und den Pflegenden zu einem großen Leidensdruck.

Hospizkultur und Palliative Care in Coronazeiten. Wie kann das gehen?

Im Rahmen eines Pilotprojektes von Juli 2020 bis November 2020 wurden das Haus Elisabeth in Silz und das Sozialzentrum Sölden von der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und der Tiroler Privatuniversität UMIT Tirol begleitet. Es wurde reflektiert und erarbeitet, was es in herausfordernden Zeiten und Krisen braucht, damit Hospizkultur und Palliative Care gelingen kann und gelebt wird. Im Mittelpunkt stehen die Bedürfnisse und der Leidensdruck der Bewohner*innen.

Wohlbefinden geht über die körperliche Dimension hinaus

Es zeigt sich, wie wichtig eine ganzheitliche Betreuung ist, die nicht nur die körperliche Dimension berücksichtigt. Kontakt und Zuwendung bringen Entlastung. Kreative Angebote und innovative Lösungsansätze sind gefragt. Jeglicher soziale Beistand wie Angehörigengespräche, seelsorgerische oder ehrenamtliche Unterstützung sind „Seelennahrung“ für die Bewohner*innen. „Wenn es jemanden schlecht geht, dann soll er selbst bestimmen dürfen, ob er jemanden da haben will … das Menschliche soll im Mittelpunkt stehen …“, fordert eine Pflegeperson.

Druck für Mitarbeiter*innen wird größer

Auf Mitarbeiter*innenebene zeigt sich, dass das Personal an Grenzen stößt – auf persönliche sowie strukturelle. Viele Mitarbeiter*innen fühlen sich durch die fehlenden Angehörigen in einer großen Verantwortung und unter Druck. Bei Pfleger*innen, dem Verwaltungspersonal und Personal aus den unterstützenden Bereichen zeigen sich Ängste und andere emotionale Belastungen. Die Situation macht sichtbar, dass sich Covid-19 nicht nur auf beruflicher, sondern auch auf privater Ebene auswirkt. Auf Selbstfürsorge zu achten, damit die eigene psychische und physische Gesundheit nicht leidet, wurde zum Teil als große Herausforderung erlebt. Hier können individuelle sowie Entlastungsmaßnahmen auf organisationaler Ebene unterstützend und haltgebend sein.

Austausch unter den Mitarbeiter*innen und Heimen ist wichtig

Mit diesem Projekt ist es gelungen, Mitarbeiter*innen in ihrem Gefühl zu stärken, für die Krise (weiterhin) gut gerüstet zu sein. Neue Strategien konnten entwickelt und Maßnahmen in bereits bestehenden Präventions- und Notfallplänen ergänzt werden. Der VSD Vorsorgedialog® als Instrument der Vorausschauenden Betreuungsplanung hat sich bewährt und unterstützt alle Beteiligten in ihrem Handeln – unabhängig von den Krisensituationen. Zudem zeigt sich, wie wichtig der Austausch und die Zusammenarbeit mit Systempartner*innen sowie die Vernetzung mit anderen Heimen ist. Dadurch wird Lernen in der Krise erst möglich.

Die Projektlaufzeit dauerte von Juni 2020 bis Ende November 2020. An diese Zeit knüpfte der zweite Lockdown an. Dies stellt die Heime vor neuerliche Herausforderungen und zeigt – trotz aller Vorbereitung – auch die Grenzen auf. Der Fokus auf die Sicherheit, Freiheit und Gesundheit der Bewohner*innen braucht sehr viel Aufmerksamkeit . Ist ein Teil der Bewohner*innen und des Personals von Covid-19 betroffen, führt das schnell zu einem Ausnahmezustand. In dieser Situation ist es umso wichtiger, ein Team zu haben, das gestärkt ist und auf klare Richtlinien zurückgreift, die wegbereitend aus der Krise führen.

Kontakt:
Brigitte Mölschl, MTD
Tiroler Hospiz-Gemeinschaft
Milser Straße 23, 6060 Hall i.T.
Telefon: 05223 43700-33672, Mobil: 0676 88 188-392
E-Mail: brigitte.moelschl@hospiz-tirol.at

Foto: ©THG/Gerhard Berger

Klasnic: Hospiz- und Palliativversorgung stärken!

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In einer ersten Reaktion auf die mündliche Verkündung des Verfassungsgerichtshofs zu §§77 und 78 StGB am 11.12.2020 machte Hospiz Österreich am selben Abend eine Presseaussendung .

Waltraud Klasnic meldete sich zu Wort und betonte die Wichtigkeit der Hospiz- und Palliativversorgung.

Der vollständigen Text der Presseaussendung

Der Wortlaut des Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes

Nun wird es darauf ankommen, wie das Gesetz im kommenden Jahr formuliert wird. Es soll Schutz für schwerkranke und sterbende Menschen gewährleisten und zugleich das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes berücksichtigen. Hospiz Österreich wird seine Stimme auch bei diesem Thema weiter für den größtmöglichen Schutz von schwerkranken und sterbenden Menschen einsetzen.

Wir weisen bei diesem Thema auch auf die Stellungnahme der Österreichischen Palliativgesellschaft zum Urteil des VfGH hin,

Die Stellungnahme von Hospiz Österreich und der Österreichischen Palliativgesellschaft zum gesamten Themenkomplex in der Fassung vom Juni 2020

Entschließungsantrag zur Regelfinanzierung der Hospiz- und Palliativversorgung im Nationalrat einstimmig angenommen

Am selben Abend (11.12.) wurde im Nationalrat ein Entschließungsantrag aller Parteien diskutiert und einstimmig verabschiedet:

„Die zuständigen Mitglieder der Bundesregierung werden ersucht, die Hospiz- und Palliativversorgung für Kinder und Erwachsene im Rahmen der Pflegereform möglichst rasch in die Regelfinanzierung überzuführen sowie den Ausbau von Hospiz- und Palliativangeboten weiter voranzutreiben. Weiters wird ersucht, mit den Ländern und Sozialversicherungen die zur Umsetzung notwendigen Gespräche zu führen.“

Auch hier wird der Dachverband Hospiz Österreich sich einsetzen, dass die Regelfinanzierung mit Qualitätskriterien verbunden ist, die den bestehenden Standards entsprechen.

 

Ergebnisse der Datenerhebung Hospiz und Palliative Care in Österreich 2019

veröffentlicht am

Mit großer Freude und coronabedingter Verspätung geben wir die Ergebnisse der Datenerhebung zu Hospiz und Palliative Care in Österreich 2019 bekannt.

Sie finden im Datenbericht

  • die Daten 2019 der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung für Erwachsene
  • die Daten 2019 der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
  • die Daten 2019 zur Befähigung von Ehrenamtlichen und im Rahmen des Universitätslehrgang Palliative Care
  • ausgewählte Daten der Projekte „Hospizkultur und Palliative Care in Alten- und Pflegeheimen“ und „Hospizkultur und Palliative Care in der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause“ bzw. „Hauskrankenpflege im Zentrum“ bis 2019

Neu aufgenommen ist das letzte der oben erwähnten Kapitel, das ausgewählte Parameter unserer drei Projekte im Bereich der Grundversorgung darstellt . Die Grundversorgung umfasst alle Bereiche der Versorgung und Betreuung wie Akutspitäler, Alten- und Pflegeheime, mobile Pflege und Betreuung, den niedergelassenen Bereich der Hausärzt*innen u.a.

Einige Highlights:

  • Im Jahr 2019 waren in Österreich 354 spezialisierte Hospiz- und Palliativeinrichtungen für Erwachsene tätig (172 Hospizteams, 60 Mobile Palliativteams, 5 Tageshospize, 61 Palliativkonsiliardienste, 13 Stationäre Hospize und 43 Palliativstationen/-einheiten).
  • Die Mobilen Palliativteams betreuten 14.242 Patient*innen und deren Angehörige und Nahestehenden.
  • 3.591 Ehrenamtliche haben 425.300 Stunden eingebracht, über 60% davon in direkter Begleitung.
  • 2019 gab es in Österreich 31 spezialisierte Hospiz- und Palliativeinrichtungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (12 Kinder-Hospizteams, 14 Mobile Kinder-Palliativteams, 4 Einheiten Pädiatrische Palliativbetten und 1 Stationäres Kinder-Hospiz mit psychosozialer Ausrichtung):
    Die Mobilen Kinder-Palliativteams betreuten 559 junge Patient*innen und 1.167 Familienmitglieder.
    235 Ehrenamtliche haben 17.800 Stunden geleistet, mehr als 70% davon in direkter Begleitung der Familien .
    siehe ausführlicher auch auf www.kinder-hospiz.at 
  • Seit 2004 (seit damals werden Daten erhoben) haben 10.186 Menschen den Befähigungskurs für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung absolviert, der die Voraussetzung für ehrenamtliche Hospizbegleitung ist.
  • Von 1998 bis Ende 2019 haben 4.625 Personen in 159 Lehrgängen von 11 Anbietern in sieben Bundesländern den Interprofessionellen Palliativbasislehrgang abgeschlossen.
  • Mit Ende 2019 war im Universitätslehrgang Palliative Care 157 Personen der Titel Master of Science verliehen worden.
  • Seit Projektbeginn bis Ende 2019 fanden in 187 Alten- und Pflegeheimen 560 Workshops Palliative Geriatrie à 36 Stunden mit 11.440 Mitarbeiter*innen aller Berufsgruppen statt.

Wir danken allen, die sich tagtäglich dafür einsetzen, dass Menschen in der letzten Phase ihres Lebens und am Lebensende bestmöglich versorgt werden, heuer unter besonders herausfordernden Bedingungen!

Wir danken allen, die dazu beigetragen haben, dass die Datenerhebung 2019 stattfinden konnte, indem sie dokumentiert, eingegeben, kontrolliert, bestätigt, ausgewertet haben.

Wir danken der Wiener Städtischen Versicherung für die langjährige Unterstützung der Datenerhebung und der stetigen Weiterentwicklung derselben!

Der VSD Vorsorgedialog® – EIN Instrument der vorausschauenden Planung für Alten- und Pflegeheime, mobile Pflege- und Betreuungsdienste und Arztpraxen

veröffentlicht am

6 Jahre Entwicklungsarbeit haben sich gelohnt!

Der Beirat HPC in der Grundversorgung[1] hat mit 9 . Juli 2020 EIN Dokument des VSD Vorsorgedialogs® verabschiedet, das für Alten- und Pflegeheime, die mobile Pflege und Betreuung zu Hause und die Arztpraxen verwendbar ist. Ärzt*innen und Pflegende der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung können dieses Dokument auch verwenden.

Alten- und Pflegeheime und Träger/Krankenpflegevereine der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause müssen eine sehr gute Hospizkultur nachweisen können, wenn sie den VSD integrieren wollen. Ansprechpartner sind die landeskoordinierenden Hospiz- und Palliativorganisationen in jedem Bundesland, in Wien ist es Hospiz Österreich.

Einen Artikel in Lang- und Kurzfassung dazu finden Sie hier:

Mit freundlicher Erlaubnis der Österreichischen Ärztekammer können wir auch den Beitrag zum Vorsorgedialog in der Österreichischen Ärztezeitung 18 vom 25.9.2020 veröffentlichen, Autorin ist Sophie Niedenzu.

Hinweis: Ein Video (29:18 Min) zeigt die szenische Darstellung eines gelungenen Vorsorgedialogs (VSD) in einem Pflegeheim.

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Mehr Informationen

[1] Der Beirat HPC in der Grundversorgung hat folgende Mitglieder: Österreichische Ärztekammer,  BMASGK, Bundesverband der Alten- und Pflegeheime Österreichs, BAG Langzeit-Pflege-Management, Dachverband der Sozialversicherungsträger, Verbindungsstelle der Bundesländer, GÖG/ÖBIG, ÖGAM, OPG Österreichische Palliativgesellschaft, Institut für Ethik und Recht in der Medizin (IERM), BAG Freie Wohlfahrt