Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Österreich

Anträge sind nicht alles …

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9. Österreichweites Vernetzungstreffen zu Hospiz und Palliative Care für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Zum 9. Österreichweiten Vernetzungstreffen zu Hospiz und Palliative Care für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene lud der Dachverband Hospiz Österreich am 11. November 2019 ins Bildungszentrum St . Virgil in Salzburg ein. In diesem Rahmen widmete man sich vor allem den Themen Sozialarbeit sowie den Bedürfnissen von Familien mit erkrankten Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen.

Leena Pelttari, Geschäftsführerin, und Claudia Nemeth, Fachbereichsleitung, beide Dachverband Hospiz Österreich, gaben am Beginn Einblick in die aktuelle Situation und die Ergebnisse der Datenerhebung 2018. Martina Kronberger-Vollnhofer, Kinderhospizbeauftragte des Dachverbands Hospiz Österreich, informierte aus der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde und der Österreichischen Palliativgesellschaft.

Der Beitrag der Sozialarbeit in der pädiatrischen Hospiz- und Palliativversorgung

Irmgard Hajszan-Libiseller, diplomierte Sozialarbeiterin von MOMO – Wiens mobiles Kinderhospiz und Kinderpalliativteam – brachte am Vormittag wichtige Impulse zum breiten Aufgabenbereich der Sozialen Arbeit in der pädiatrischen Hospiz- und Palliativversorgung:

Soziale und individuelle Bedürfnisse wahrnehmen

Eine zentrale Aufgabe der Sozialarbeit besteht darin, die individuellen und sozialen Bedürfnisse Betroffener zu erkennen und im Team zu klären. Dabei setzt die Soziale Arbeit bei der Komplexität und Ambivalenz des Alltags an, die bereits im Erstgespräch thematisiert werden. Die gesamte psychosoziale, nicht nur die krankheitsspezifische Lebenssituation, wird auf ihre Belastungsfaktoren und die vorhandenen Ressourcen in den Blick genommen. „Nur, wenn die vorhandenen persönlichen und sozialen Ressourcen wahrgenommen und allen Beteiligten bewusst gemacht werden, können Lösungsansätze im sozialen System aufgegriffen und genutzt werden“, so Hajszan-Libiseller.

Beraten und begleiten

In Krisen- und Grenzsituationen ist eine mitmenschliche Zuwendung von zentraler Bedeutung. Bei Lebensfragen über Arbeit, Familie, Erziehung sind sowohl Systemkompetenz als auch Fachwissen gefragt. SozialarbeiterInnen fungieren häufig als „Türöffner“ zu diesen Familien, die oftmals Stärkung, Stabilisierung und existenzieller Sicherheit bedürfen.

„Anträge sind wichtig, aber nicht alles.“ So gilt es bei Antragstellungen unter erschwerten Bedingungen beizustehen und den Zugang zu Unterstützungsangeboten und existenzsichernden Maßnahmen zu schaffen. Krisenintervention ist sowohl bei organisatorischen Fragestellungen gefragt als auch in den klassischen Krisen, die den Alltag der Familien betreffen: Krisen in der Zeit der Diagnose, bei schweren Paarkonflikten, suizidalen Krisen, Kindeswohlgefährdung oder in der Begleitung beim Sterben zu Hause oder nach dem Tod eines Kindes.

Containing und stellvertretende Hoffnung

SozialarbeiterInnen nehmen für die Betroffenen Unerträgliches auf, verwandeln das Aufgenommene in etwas für die KlientInnen Erträgliches und geben es so zurück. Dazu kommt die Haltung stellvertretender Hoffnung, die nicht bedeutet „es wird schon gut werden“, sondern „es wird wieder anders gut werden“.

Daneben kommen der Vernetzung im fallbezogenen und fachlichen Austausch, der Reflexion und dem Perspektivenwechsel als Beitrag der Sozialen Arbeit in der Hospiz- und Palliativversorgung besondere Bedeutung zu. Es gilt nicht, den anderen die eigene Haltung aufzuzwingen, sondern abzuwarten und Hilfe anzubieten. Diese Hilfe wird dann angenommen, wenn sie als nützlich für den Alltag wahrgenommen wird.

Die Bedürfnisse von Familien mit schwerkranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Einen regen Erfahrungsaustausch in Bundesländergruppen gab es am Nachmittag zur Frage „Was brauchen Familien mit erkrankten Kindern?“. In den letzten Jahren gab es mit dem Auf- und Ausbau von spezialisierten pädiatrischen Hospiz- und Palliativeinrichtungen positive Entwicklungen, Lücken bestehen aber noch im stationären Bereich und bei Entlastungsangeboten. Die TeilnehmerInnen zeigten einerseits Bereiche auf, die gut gelingen, wiesen auf Defizite hin und formulierten Notwendigkeiten zur Verbesserung der Versorgung von Familien mit schwerkranken Kindern. Besonders im Bereich der Entlastung (Entlastungspflege, Tagesbetreuung, Kurzzeitpflege, Erholung etc.) gibt es noch Nachholbedarf.

Austausch und Vernetzung

Den Abschluss bildete ein lebhaftes Vernetzen. In vier Gruppen tauschten sich die Kinder-Hospizteams, die Mobilen Kinder-Palliativteams, die in Entlastungsangeboten Tätigen und die in der Bundeslandplanung und -leitung Engagierten zu aktuellen Entwicklungen aus und zu Themen, die sie aktuell beschäftigen.

Angeregt und bereichert ging die Gruppe am späten Nachmittag auseinander.

Hospiz Österreich nimmt aus diesem Vernetzungstreffen viele Anliegen und wichtige Anregungen für künftige Schwerpunktsetzungen in der Arbeit zur pädiatrischen Hospiz und Palliative Care mit.

Durch den Tag führte Anna H. Pissarek vom Dachverband Hospiz Österreich.

Wir danken den Österreichischen Lotterien für die Unterstützung des Vernetzungstreffens.

Wir danken Christof Eisl, Geschäftsführer der Hospizbewegung Salzburg, für die Möglichkeit, große Teile seines Artikels für diesen Beitrag verwenden zu dürfen.

Wir danken Johann Baumgartner, Leiter Koordination Palliativbetreuung Steiermark, für die Fotos.