Sara Scheiflinger und Arthur Browa-Holzinger sind ein Team. Sie ist zuständig für Innovation und Entwicklung beim Diakonie Flüchtlingsdienst, er ist Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Palliative Care Experte und Wohnbereichsleiter in einem Pflegewohnhaus der CS Caritas Socialis.
Wie die beiden im Rahmen des iCare-Projekts zu einem Team geworden sind und was hinter ihrem Projekt „Lebensende in der Fremde“ steckt, erzählen sie uns im Dialog.
Sara:
Ich bin Sozioökonomin und mich bewegt seit jeher, dass Chancen und Möglichkeiten auf dieser Welt ungleich verteilt sind und dass diese von Geburt bis zum Tod entscheiden, welches Leben dazwischen möglich ist. Ein gutes Leben in Würde für alle Menschen ist die Vision, die mich motiviert.
Eine Antwort auf diese Vision liegt meiner Meinung nach im Bauen von Brücken und Schaffen von Räumen, die Themen verbinden und gemeinsame Lösungen zulassen. Unser Projekt Lebensende in der Fremde[1] ist beides: eine Brücke zwischen Sozial- und Palliativbereich und ein Raum für die Auseinandersetzung mit dem Lebensende und der letzten Lebensphase von Menschen, die nicht zu Hause versterben werden können. Sie sind nach Österreich geflüchtet oder migriert und mussten sich fern der Heimat ein neues Leben aufbauen. In diesem Kontext stellen sich viele Fragen: Was braucht es am Lebensende? Was ist wichtig am Lebensende – für Betroffene und auch für An-Zugehörige? Diese und ähnliche Fragen werden im Projekt Lebensende in der Fremde gemeinsam mit verschiedenen Communities behandelt. Die Antworten helfen dabei, passende Unterstützungsangebote zu entwickeln.
Dass ich jemals ein solches Projekt entwickeln oder koordinieren werde, hätte ich vor ein paar Jahren nie gedacht. Krankheit und Tod meines Vaters und ein Jahr darauf die Teilnahme am Projekt iCare haben mir Zugang zu Palliative Care verschafft und damit auch zu Menschen und Haltungen, die ich mittlerweile nicht mehr missen möchte. Nicht zuletzt die Begegnung mit Arthur im Rahmen von iCare hat der Projektidee Lebensende in der Fremde zur gemeinsamen Umsetzung verholfen.
Arthur:
Ich bin diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger. Seit meinen ersten beruflichen Schritten ist es mir ein tiefes, persönliches Anliegen, meinen Beitrag dazu zu leisten, den Palliativgedanken in unserer Gesellschaft zu verankern und weiterzutragen.
Für mich bedeutet Palliative Care, dass jede und jeder, der diese Form der Begleitung wünscht, Zugang dazu haben soll – unabhängig davon, wo oder von wem er oder sie betreut wird. Herkunft und Lebensumstände dürfen dabei keine Rolle spielen. Palliative Care ist weit mehr als eine professionelle Disziplin: Es ist eine Haltung. Sie bedeutet, jedem Menschen bis zuletzt ein würdevolles, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Im Mittelpunkt steht stets die individuelle Lebensqualität – und alle Formen der Unterstützung, ob professionell oder gesellschaftlich, orientieren sich daran.
Genau hier möchte ich, gemeinsam mit Sara, ansetzen. Es braucht Aufklärung und Bewusstseinsbildung über Palliative Care – insbesondere in der Begleitung von Menschen fernab ihrer Heimat. Für betreuende Teams stellt dies oftmals eine besondere Herausforderung dar: Es gilt, die Werte, Wünsche und Vorstellungen dieser Menschen wahrzunehmen und zu respektieren, um ihnen die bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Das gelingt nur, wenn wir gemeinsam ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass jeder Mensch Autonomie und Lebensqualität auf seine ganz eigene Weise definiert – und dass es deshalb keine allgemeingültige Lösung geben kann.
Die Teilnahme am iCare-Projekt und die Zusammenarbeit mit Sara haben mir noch einmal deutlich gemacht, wie wesentlich es ist, die Bedeutung von und das Wissen um Palliative Care weiterzugeben. Mein Wunsch ist es, dazu beizutragen, dass allen Menschen ein würdevoller letzter Lebensweg ermöglicht wird – auch dann, wenn dieser fernab der eigenen Heimat gegangen wird.
