Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Österreich

Bildungssymposium Hospiz und Palliative Care am 23.9.2026

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Bildung. Menschlichkeit. Zukunft.  Rückblick auf das Bildungssymposium Hospiz und Palliative Care am 23.9.2026

Wie kann Bildung in Hospiz und Palliative Care gelingen, die Menschen befähigt, mit Sterben, Tod und Abschied kompetent und menschlich umzugehen? Und was braucht Bildung angesichts gesellschaftlicher Veränderungen, zunehmender Diversität, rasanter technologischer Entwicklungen und eines interprofessionellen Ansatzes?

Diesen Fragen widmete sich das Bildungssymposium Hospiz und Palliative Care „Bildung. Menschlichkeit. Zukunft.“ am 23. September 2026. Das Symposium wurde von HOSPIZ ÖSTERREICH, St. Virgil Salzburg und der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg gemeinsam organisiert. Fast 50 Teilnehmer:innen nutzten den Tag, um gemeinsam zu lernen, Erfahrungen auszutauschen, zu diskutieren und sich zu vernetzen.

Das Format des Symposiums war dabei bewusst dialogisch gestaltet: Auf kurze fachliche Inputs folgten jeweils Diskussionen in Kleingruppen und anschließend ein Austausch im Plenum. Damit wurden die drei großen Themen des Tages – interprofessionelles Lernen, transkulturelle Perspektiven sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – nicht nur vorgestellt, sondern gemeinsam weitergedacht.

Weniger Input, mehr gemeinsames Lernen

Patrick Schuchter, Philosoph und diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger und Assoziierter Professor an der Hochschule Campus Wien widmete sich der Frage, wie interprofessionelles Lernen gelingen kann.

Ein zentraler Gedanke seines Beitrags war die 70/30-Regel in der Erwachsenenbildung: Nur rund 30 Prozent der zur Verfügung stehenden Zeit sollten Vortrag und fachlichem Input vorbehalten sein, 70 Prozent hingegen dem Austausch, der Reflexion und dem Lernen voneinander.

Gerade für interprofessionelle Bildungsangebote in Hospiz und Palliative Care ist dieser Zugang von besonderer Bedeutung. Denn unterschiedliche Berufsgruppen bringen nicht nur unterschiedliches Fachwissen, sondern auch jeweils eigene Perspektiven auf Patient:innen, Angehörige und Begleitungssituationen mit.

Besonders deutlich wird dies dort, wo konkrete Situationen aus der Begleitung gemeinsam diskutiert werden. Eine radikale Betroffenenzentrierung kann dabei zum Ausgangspunkt des Lernens werden: Nicht die jeweilige Profession steht im Zentrum, sondern der betroffene Mensch und die Frage, was dieser in seiner konkreten Situation braucht. In der gemeinsamen Auseinandersetzung mit Fallbeispielen werden die unterschiedlichen Kompetenzen und Sichtweisen der Berufsgruppen sichtbar – und genau dadurch wird Lernen voneinander möglich.

Lebensende in einer vielfältigen Gesellschaft

Sara Scheiflinger, Sozioökonomin und Leiterin der Stabstelle Entwicklung und Innovation bei der Diakonie in Wien, richtete den Blick auf Menschen mit Migrationsbiografie und auf die Frage, wie Grundlagenwissen zu Hospiz und Palliative Care möglichst viele Bevölkerungsgruppen erreichen kann.

Anhand des Projekts „Lebensende in der Fremde“ der Diakonie zeigte sie, welche Bedeutung eine kultursensible Haltung in der Begleitung hat. Dabei geht es nicht allein um Sprache oder vermeintliches Wissen über unterschiedliche Kulturen. Ebenso wichtig ist es, die individuellen Biografien der Menschen wahrzunehmen. Frühere und aktuelle Erfahrungen von Diskriminierung bis hin zu Gewalt können auch in Situationen von schwerer Krankheit, Sterben und Begleitung wirksam werden.

Deutlich wurden dabei auch ethische Fragen und Dilemmata. Was bedeutet es beispielsweise, wenn Angehörige oder sogar Kinder als Dolmetscher eingesetzt werden? Welche Verantwortung entsteht dadurch für die Beteiligten? Und was brauchen professionelle und informelle Dolmetscher:innen gegebenenfalls von uns, wenn sie schlechte Nachrichten übersetzen müssen?

Gleichzeitig braucht es Sensibilität dafür, wie über Sterben und Tod gesprochen wird. Vorstellungen darüber, ob, wann und mit wem eine schwere Diagnose oder das bevorstehende Lebensende besprochen werden kann und soll, können sehr unterschiedlich sein. Was aus der Perspektive professioneller Begleiter:innen als notwendige offene Kommunikation erscheint, was in westeuropäischer Kultur als bedeutsam angesehen wird, kann aus einer anderen kulturellen oder familiären Perspektive als Grenzüberschreitung erlebt werden. Kultursensible Begleitung bedeutet daher auch, die eigenen Vorstellungen von „richtiger“ Kommunikation über Sterben und Tod immer wieder zu reflektieren.

Künstliche Intelligenz: Zwischen großen Chancen und grundlegenden Fragen

Mit Dr. Tobias Steigleder, Palliativmediziner und Leiter der Arbeitsgruppe Palliativ-Medizin-Technik am Uniklinikum Erlangen, rückte am Nachmittag ein Thema in den Mittelpunkt, das die zukünftige Gesundheitsversorgung und damit auch Hospiz und Palliative Care zunehmend prägen wird: Künstliche Intelligenz.

Sein Vortrag gab einen Überblick über aktuelle Technologien und Einsatzmöglichkeiten. Die Verarbeitung sehr großer Datenmengen eröffnet enorme Möglichkeiten – etwa für eine präzisere Diagnostik, individuellere Therapieentscheidungen und Prognosen.

Mit diesen Möglichkeiten sind jedoch grundlegende ethische Fragen verbunden. Erfahrungen zeigen, dass Menschen durchaus bereit sind, Gesundheitsdaten zur Verfügung zu stellen, wenn sie selbst oder andere Patient:innen davon profitieren. Gleichzeitig stellen sich Fragen: Was geschieht mit diesen Daten? Wo werden sie gespeichert? Wer hat Zugriff darauf und wofür werden sie zukünftig verwendet?

Auch das Recht auf Nicht-Wissen erhält durch neue Technologien eine neue Dimension. Was bedeutet es beispielsweise, wenn ein Wearable oder eine digitale Anwendung auf Basis kontinuierlich erhobener Daten Hinweise auf eine mögliche schwere Erkrankung erkennt – vielleicht lange bevor ein Mensch selbst Beschwerden wahrnimmt? Möchte ich diese Information überhaupt erhalten? Und wer entscheidet darüber?

Die anschließende Diskussion machte deutlich, wie emotional und auch polarisierend die Entwicklung von KI im Gesundheitsbereich wahrgenommen wird. Chancen und Risiken liegen eng beieinander und sind teilweise unmittelbar miteinander verwoben.

Dabei wurde auch eine andere Perspektive eingebracht: Wäre es nicht gerade begrüßenswert, wenn Palliative Care in diesem Bereich intensiv forscht und die Entwicklung aktiv mitgestaltet? Schließlich gehört es zum Selbstverständnis von Hospiz und Palliative Care, Patient:innen und ihre Bedürfnisse konsequent in den Mittelpunkt zu stellen und medizinische Entwicklungen und Entscheidungen immer auch unter ethischen Gesichtspunkten zu betrachten. Gerade diese Haltung könnte einen wichtigen Beitrag dazu leisten, KI nicht nur technologisch weiterzuentwickeln, sondern ihren Einsatz konsequent an den Bedürfnissen von Patient:innen und deren An- und Zugehörigen auszurichten.

Bildung braucht Austausch

Die drei Beiträge des Symposiums machten aus unterschiedlichen Perspektiven deutlich: Bildung in Hospiz und Palliative Care ist mehr als die Vermittlung von Fachwissen. Sie braucht Räume für Begegnung, für unterschiedliche Perspektiven, für kritische Fragen und für gemeinsames Nachdenken.

Das Format des Tages – kurze Impulse, Diskussionen in Kleingruppen und gemeinsamer Austausch im Plenum – machte dies unmittelbar erfahrbar. Die fast 50 Teilnehmenden brachten ihre unterschiedlichen professionellen Erfahrungen ein und machten damit das Symposium selbst zu einem Ort interprofessionellen Lernens.

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Und dieser Austausch wird fortgesetzt:

Am 22. und 23. April 2027 findet in St. Virgil Salzburg die 1. Bildungskonferenz Hospiz und Palliative Care von HOSPIZ ÖSTERREICH statt. Im Mittelpunkt stehen innovative Bildungsansätze, Erkenntnisse aus der Bildungsforschung, Good-Practice-Beispiele sowie die Vernetzung von Menschen, die Bildung in Hospiz und Palliative Care gestalten und verantworten.

Weitere Informationen und Anmeldung:
1. Bildungskonferenz Hospiz und Palliative Care – HOSPIZ ÖSTERREICH

Wir freuen uns darauf, die beim Symposium begonnenen Diskussionen dort weiterzuführen und gemeinsam daran zu arbeiten, wie Bildung in Hospiz und Palliative Care menschlich, zeitgemäß und zukunftsfähig gestaltet werden kann.