Rückblick auf das erste interprofessionelle Studierendensymposium im Rahmen des 9. österreichischen Palliativkongresses
Im Rahmen des 9. Österreichischen Palliativkongress fand am 24. April in Graz auf Initiative von HOSPIZ ÖSTERREICH und der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG) erstmals ein interprofessionelles Studierendensymposium statt. Das Symposium erstreckte sich über einen halben Tag und bot den teilnehmenden Studierenden im Anschluss die Möglichkeit, den restlichen Kongresstag zu besuchen und weitere Einblicke in die Praxis der Hospiz- und Palliativversorgung zu gewinnen.
Ziel des Symposiums war es, Studierenden aus unterschiedlichen grundständigen Studienrichtungen frühzeitig Einblicke in die Hospiz- und Palliativversorgung zu ermöglichen. Neben fachlichem Wissen stand insbesondere das Erleben eines lebendigen, spannenden, vielfältigen und sinnstiftenden Arbeitsumfeldes im Vordergrund. Dies bestätigt auch Rainer Simader, Leiter der Bereiche Bildung und Diversität bei HOSPIZ ÖSTERREICH und Vorstandsmitglied der OPG: „Es ist ein Meilenstein in der österreichischen Hospiz- und Palliativbildung. In vielen Curricula der unterschiedlichen Bachelorstudiengängen ist das Thema Hospiz und Palliative Care kaum oder nicht verankert. Das große Interesse der Studierenden zeigt uns, dass wir hier ein Bedürfnis und das Interesse von Studierenden getroffen haben.“
Hintergrund dieser Initiative ist unter anderem die demografische Entwicklung, die einen steigenden Bedarf an unterschiedlichen Berufsgruppen in der Begleitung und Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen und deren An- und Zugehörigen mit sich bringt. Das Symposium schuf einen niederschwelligen Zugang zu diesem wichtigen Themenfeld und ermöglichte eine Vernetzung mit professionellen und ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen und Organisationen. Sonja Thalinger, Geschäftsführerin von HOSPIZ ÖSTERREICH ergänzt: „Das Thema Lebensende wird in jeglicher Einrichtung und in jedem Setting, in denen Menschen zukünftig begleitet werden, ein immer größeres werden. Es wäre nicht verantwortbar, zukünftige Kolleg:innen nicht ausreichend auf solche Situationen vorzubereiten. Dieses Studierendensymposium ist wegweisend.“
Insgesamt nahmen über 60 Studierende aus neun verschiedenen Studienrichtungen teil: Diätologie, Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Medizin, Gesundheits- und Krankenpflege, Pharmazie, Sozialarbeit sowie Psychologie und Psychotherapie. Die Teilnehmer:innen reisten aus acht Bundesländern nach Graz an, was die breite Resonanz und das große Interesse eindrucksvoll unterstreicht.
Das inhaltliche Programm begann mit einem Kennenlernen, gefolgt von einem einführenden Vortrag von Rainer Simader mit dem Titel Was Hospiz und Palliative Care wirklich (nicht) ist. Dieser bot eine wichtige Grundlage für das gemeinsame Verständnis des Fachbereichs und räumte mit verbreiteten Missverständnissen auf.
Ein besonderer Programmpunkt war die Vorstellung von elf verschiedenen Professionen innerhalb der Palliativversorgung. Erfahrene Vertreter:innen dieser Berufsgruppen und des Ehrenamts präsentierten in kurzen, zweiminütigen Fallbeispielen ihre „magic moments“ und spezifischen Aufgaben und Perspektiven in der Begleitung von Patient:innen am Lebensende. Diese kompakte und praxisnahe Darstellung vermittelte sowohl eindrucksvoll als auch berührend die Vielfalt und Notwendigkeit interprofessioneller Zusammenarbeit.
Nach einer Pause wurden die Studierenden im Rahmen eines World-Café-Formats aktiv eingebunden. Ausgangspunkt war das Total-Pain-Modell von Cicely Saunders, das die Dimensionen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Belastungen und Möglichkeiten in der Begleitung umfasst. Die Teilnehmenden reflektierten gemeinsam, welchen Beitrag ihre jeweilige Profession leisten kann, um die Lebensqualität von Patient:innen und deren Angehörigen in diesen verschiedenen Dimensionen zu verbessern.
Die Resonanz auf das Symposium war durchwegs überwältigend. Die hohe Teilnehmerzahl, das große Engagement der Studierenden sowie das positive Feedback verdeutlichen den Bedarf und die Relevanz eines solchen Formats. Eine Studierende meinte am Ende: „Ich habe mich mit Interesse aber auch einer gewissen Skepsis für dieses Symposium angemeldet. Ich dachte nicht, dass es in der Hospiz- und Palliativversorgung so um Leben, ja, so lebendig zugeht.“ Das interprofessionelle Studierendensymposium stellt somit einen wichtigen Schritt dar, um künftige Fachkräfte frühzeitig für die Hospiz- und Palliativversorgung zu sensibilisieren und die Zusammenarbeit über Berufsgrenzen hinweg nachhaltig zu stärken. So auch Gudrun Kreye, die Präsidentin der Österreichischen Palliativgesellschaft: „Auch in der Hospiz- und Palliativversorgung brauchen wir dringend Nachwuchs. Es war ein Gänsehautmoment, so viele junge Studierende, so viele potenzielle, zukünftige Kolleg:innen mit so viel Begeisterung zu erleben. Dieses Studierendensymposium soll zu einer regelmäßigen Institution werden.“

