Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Österreich

Hospiz braucht Mutmacher

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Gedenksymposium zum 10. Todestag der Hospiz-Pionierin Hildegard Teuschl (1937-2009) im Kardinal König Haus in Wien

„Hildegard Teuschl hat mir Mut und Vertrauen geschenkt, dass ich etwas kann, ohne es vorher gemacht zu haben. Ihre Aussaat hat inzwischen reiche Frucht gebracht, wir sprechen, entscheiden und arbeiten voll Dankbarkeit in ihrem Sinne weiter“, so Waltraud Klasnic, die sehr direkt von ihr auf Hospiz angesprochen und zu ihrer Nachfolgerin als Präsidentin des Dachverbandes auserkoren wurde.

In ihren Grußworten beim Gedenksymposium „Zuhause leben bis zuletzt – Möglichkeiten und Grenzen für ein Sterben daheim“ anlässlich des zehnten Todestages der Hospiz-Pionierin am 18. Februar 2019 meinte Präsidentin Klasnic: „Hildegard würde jetzt verschmitzt lächeln“, und sie erinnerte an die Dachverbandssitzung in Innsbruck unmittelbar nach dem Tod von Hildegard, bei dem Bischof Reinhold Stecher in einer kleinen Gedenkfeier ein Bild von Hildegard gezeichnet hatte, von ihrem Flug ins Ungewisse: „Wir sitzen alle in einem Flugzeug und wissen nicht, wie es dort aussieht, wo wir landen. Hildegard ist die Chefstewardess, die sich um jeden einzelnen Passagier gesorgt hat. Wenn sie jetzt drüben ankommt, werden alle andere schon Spalier stehen und sie mit Applaus empfangen.“

Caritasdirektor Michael Landau betonte in seinen Grußworten, dass die Botschaft Hildegard Teuschls für ein würdevolles Leben vom Anfang bis zum natürlichen Ende heute aktueller denn je sei. Hospiz sei dort verortet, wo das Leben brüchig wird. Die Sorge um den ganzen Menschen sei nur gemeinsam zu bewältigen: „was alle angeht, können auch nur alle gemeinsam angehen“, zitierte er Teuschl.

Viele Teilnehmer/innen am Symposium konnten davon erzählen, wie sie von Hildegard Teuschl sehr persönlich für das Hospizanliegen begeistert wurden: Sr. Karin Weiler CS, Pater Klaus Schweiggl SJ, Geschäftsführerin des Dachverbandes Hospiz Österreich Leena Pelttari, die PalliativmedizinerInnen Annette Henry und Dietmar Weixler.

Die Kardinal König-Stiftung, Veranstalterin des Symposiums, verlieh den Kardinal König-Förderpreis an die Kurse „Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung“, die ehrenamtliche HospizbegleiterInnen für ihren Einsatz befähigen und im Kardinal König Haus stattfinden. Sr. Karin Weiler CS nahm als Leiterin der Kurse den Preis entgegen.

Es wurde auch des vor fünfzehn Jahren verstorbenen Kardinals Franz König gedacht. Annemarie Fenzl, Leiterin Kardinal König Archiv, verwies in ihrer Würdigung auf seine richtungsweisenden Worte: „Menschen sollen an der Hand eines anderen und nicht durch die Hand eines anderen Menschen sterben. Daraus aber folgt: Wer Sterbehilfe nicht will, muss für optimale Sterbebegleitung sorgen! Denn das Nein zur Euthanasie bedingt notwendig ein Ja zu all dem, was erforderlich ist, damit Menschen leben können bis zuletzt.“ 2001 führte dieser Impuls zu einem Allparteienbeschluss für den flächen- und bedarfsdeckenden Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich. Beide, Kardinal König und Hildegard Teuschl, standen als Mutmacher dafür ein, bestmögliche Rahmenbedingungen für zwischenmenschliche Zuwendung und kompetente Betreuung zu schaffen. Beide waren sehr präsent in jeder Begegnung erlebbar.

Menschen sollen die Möglichkeit haben, in der vertrauten Umgebung von nahen Bezugspersonen begleitet zu werden. Der Dachverband Hospiz Österreich hat 2015-2018 dazu das Pilot-Projekt HPC Mobil mit vier Wiener Trägern, darunter auch die Caritas Socialis, durchgeführt. Über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Caritas Socialis bei der Umsetzung von Hospizkultur und Palliative Care in der Hauskrankenpflege berichtete Christine Hintermayer.

„Zuhause leben bis zuletzt“ war auch das Thema im Festvortrag von Prof. DDr. Johannes Huber. Der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe spannte einen Bogen zur anderen Seite des Lebens, die in manchem ihrem Vis-à-vis ähnlich ist: „Geburt und Sterben müssen in zutiefst menschlichem Sinne ablaufen, wie Mütter ihr Kind unmittelbar nach der Geburt nicht an andere Menschen abgeben wollen, möchten auch Sterbende von Bezugspersonen und nicht von Fremden begleitet werden.“ Sterben ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein längerer Prozess, der nicht mit dem Herz- oder Hirntod beendet ist. Huber zufolge bestätigen gerade jüngere Studien, dass Menschen in den letzten Momenten viel mehr wahrnehmen, als wir glauben. Daher müssen wir Sterbende „so behandeln, als würden sie noch alles mitbekommen, denn wir wissen nicht, wie viel sie noch wahrnehmen“, wie einer der führenden deutschen Palliativärzte, Lukas Radbruch, es ausgedrückt hat.

Dieses Wahrnehmen und Ernstnehmen des anderen im Leben – zu dem auch das Sterben gehört – und über den Tod hinaus, hat Sr. Hildegard Teuschl CS in die österreichische Hospizgeschichte eingebracht und mit diesem Samen reiche Ernte bewirkt.

Wir danken Christof Eisl, Geschäftsführer Hospizbewegung Salzburg, für die Erlaubnis, seinen Artikel in der Zeitschrift Lebensfreude in leicht ergänzter Form verwenden zu dürfen!

Fotos: Copyright Kardinal König Haus