2025 war und ist ein Jahr des genauen Hinschauens. Ein Jahr, in dem wir uns gefragt haben, wie wir füreinander da sein wollen – gerade dann, wenn das Leben zerbrechlich wird?
Die Blogbeiträge von HOSPIZ ÖSTERREICH folgten dieser Frage und erzählten Geschichten aus dem iCare Project* – Geschichten von Menschen, von Räumen, von gesellschaftlichen Bruchstellen – und von der Überzeugung, dass Sorgearbeit nicht delegiert werden kann, sondern immer eine gemeinsame Aufgabe ist.
Caring Communities– mehr als ein Schlagwort
Zu Beginn des Jahres zeigten wir: Caring Communities sind kein Projekt, das man umsetzt und abschließt. Sie basieren auf einer Haltung und laden dazu ein, Verantwortung zu teilen – über professionelle Systeme hinaus -> in Nachbarschaften, Gemeinden, soziale Netze hinein.
Wir haben thematisiert, dass es in einer alternden Gesellschaft nicht ausreichen wird, Sorge und „Versorgung“ ausschließlich institutionell zu denken. Sondern, dass wir Beziehungen brauchen, Aufmerksamkeit, Zivilcourage. Menschen, die hinschauen, bleiben, da sind. Hospiz und Palliative Care als kulturelle Kompetenz einer Gesellschaft gedacht – nicht als Randbereich.
Wer wird gesehen – und wer nicht?
In Ergänzung dazu lag der Fokus auf Menschen, die in bestehenden Strukturen und Systemen der Versorgung oft unsichtbar und unberücksichtigt bleiben. Das Thema Hospiz und Palliative Care für obdachlose und sozial exkludierte Menschen führt zu unbequemen Fragen:
Wer hat Zugang zu Begleitung am Lebensende?
Wer fällt durch alle Raster?
Und was sagt das über uns aus?
Würde ist kein Privileg. Sie darf nicht an Wohnraum, Versicherung oder soziale Anerkennung gebunden sein. Hospiz und Palliative Care, so der klare Appell, muss dorthin gehen, wo Menschen leben – auch dann, wenn diese Lebensorte uns herausfordern.
Räume sprechen
Ein weiterer thematischer Akzent richtete den Blick auf Architektur und Sozialraum. Nicht abstrakt, sondern sehr konkret: Wie wirken Räume auf Menschen in existenziellen Situationen? Was macht einen Raum zu einem guten Ort – um zu bleiben, Abschied zu nehmen, zu trauern?
Die Beiträge erinnern daran, dass Räume nie neutral sind. Sie können schützen oder ausschließen, Nähe ermöglichen oder verhindern. Hospizkultur zeigt sich auch in Türbreiten, Lichtverhältnissen, Rückzugsmöglichkeiten – und in der Frage, ob ein Raum Beziehung zulässt.
Menschen, die bleiben
Viele Menschen kamen in Interviews zu Wort: Ehrenamtliche, Engagierte, Wegbegleiter:innen. Sie erzählen über ihre Arbeit und das, was sie persönlich trägt: Verlässlichkeit, das Aushalten von Nähe, von Ohnmacht, von Abschied.
Diese Stimmen erzählen von einer Arbeit, die nicht „fertig“ wird. Von einem Tun, das sich nicht in Erfolgszahlen misst, sondern in Momenten: einem Gespräch, einem Dableiben, einem geteilten Schweigen.
Verantwortung zeigen – auch organisatorisch
Jenseits des Blogs kommuniziert HOSPIZ ÖSTERREICH die eigene Arbeit: Generalversammlung, Tätigkeitsbericht, Veranstaltungen, Fachtage, Projekte. Auch das gehört zur Kultur des Sorgens: sichtbar machen, was getan wird, Rechenschaft ablegen, Netzwerke pflegen.
Professionalisierung und Ehrenamt werden dabei als einander ergänzend verstanden. Qualität entsteht dort, wo Haltung, Wissen und Beziehung zusammenkommen.
Was uns 2025 (und auch weiterhin) bewegt
- weg von Vereinzelung
- weg von der Illusion, dass Institutionen allein Sorge tragen können
- hin zu einer Gesellschaft, die Sorge nicht delegiert, sondern sichtbar macht und solidarisch trägt.
- Erinnern daran, dass die Themen Verlust, Sterben, Abschied und Trauer mitten ins Leben gehören und nicht an den Rand der Gesellschaft.
In diesem Sinne – bleiben Sie uns gewogen und lesen Sie unseren Blog weiter, 2026 – mit einem Schwerpunkt auf dem breiten Feld der Hospiz und Palliative Care – Bildung.
Marianne Buchegger
