Nachlese zum 8. Mai 2026
Was bedeutet es, aufgrund von Armut, Wohnungslosigkeit, queerer Lebensweise, mit Migrationsbiografie oder im Gefängnis benachteiligt zu sein und auf Hilfe am Lebensende angewiesen zu sein? Was können Hospiz und Palliative Care hier tun? Diesen und anderen Fragen widmete sich die Veranstaltung „Am Rand des Lebens: Communities, Hospiz- und Palliativversorgung für benachteiligte Menschen“ die am 8. Mai 2026 in der Aula im Alten AKH Wien stattfand und gemeinsam vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien und HOSPIZ ÖSTERREICH, dem Dachverband der Hospiz- und Palliativeinrichtungen, organisiert wurde.
Am Nachmittag fand ein Netzwerktreffen von jenen Menschen statt, die in diesen Bereichen praktisch, forschend, lehrend und / oder vernetzend tätig sind. Über 30 Personen aus Österreich und Deutschland teilten Herausforderungen genauso wie gelingende Beispiele. Neben einer soziometrischen Aufstellung zum Kennenlernen begleiteten Gerd Dressel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pflegewissenschaft, Ilona Wenger , Projektassistentin und Katharina Heimerl, assoziierte Universitätsprofessorin am Institut für Pflegewissenschaft durch Erzähl-Cafés. Elisabeth Reitinger, assoziierte Professorin am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien, berichtete von der Geschichte des Netzwerkes bzw. des Projektes „Vielfalt in Palliative Care und Community Care“ und diskutierte mögliche zukünftige Entwicklungen. Rainer Simader, Leiter der Bereiche Bildung und Diversität bei HOSPIZ ÖSTERREICH, sprach über aktuelle Initiativen von HOSPIZ ÖSTERREICH zum Thema Diversität.
Es braucht Kenntnisse und Wissen – nicht nur Empathie
Am Abend fand eine gut besuchte öffentliche Veranstaltung statt. Emma Dowling, assoziierte Professorin am Institut für Soziologie der Universität Wien und Gerd Dressel standen im Dialog. Emma Dowling plädierte für eine sorgende Wissenschaft. Das Ziel müsse zudem sein, dass Hospiz und Palliative Care überall dort eingebettet wird, wo das Leben der Menschen passiert – neben einer notwendigen spezialisierten Versorgung. Aufgrund der demografischen Entwicklung sei es zudem zwingend notwendig, dass all jenes, was früher familiär abgedeckt werden konnte, nun vergesellschaftet werde.
Im Anschluss daran fand ein Podiumsgespräch statt. Die Gesprächspartner:innen waren die Diversitäts- und Inklusionsmanagerin vom Haus der Barmherzigkeit Jasmin Abdelsamad zum Fokus Hospiz und Palliativversorgung von Menschen mit Migrationsbiografie. Martin Schenk, stellvertretender Direktor der Diakonie Österreich und Mitbegründer der österreichischen Armutskonferenz sprach über Lebensbedingungen und gesundheitliche Benachteiligung von Menschen, die von Armut betroffen sind. Im Anschluss daran berichtete Elisabeth Draxl, Gesundheits- und Krankenpflegeperson und Mitgründerin des Projekts Leo in Innsbruck, über die Lebens- und Sterbebedingungen von Menschen ohne Obdach – und auch darüber, dass Hospiz- und Palliativeinrichtungen für besonders vulnerable Personen oft ausgrenzend sind. Susanne Fleckinger, Professorin für Pflegewissenschaft in Oldenburg und Henning Schmidt-Semisch, Professor für Soziologie der Universität Bremen, Deutschland forschen und arbeiten mit dem Schwerpunkt Hospiz- und Palliativversorgung bzw. Sterben von Menschen in Gefängnissen, wo ebenfalls der demografische Wandel angekommen ist. In Haftanstalten bestehen nicht nur physische Barrieren, sondern stehen auch Grundsätze der Hospiz- und Palliativversorgung, wie Autonomie, Miteinbezug von An- und Zugehörigen und natürlich der Fokus auf eine gute medizinische Begleitung oft im Widerspruch bzgl. vor Umsetzungsherausforderungen. Schließlich reflektieren Elisabeth Reitinger und Rainer Simader zu Forschungsergebnissen, die aufzeigen, dass auch Menschen mit LGBTIQA+ -Identitäten im Gesundheits- und Sozialsystem und auch in der Hospiz- und Palliativversorgung Minderheitenstress und Diskriminierungserfahrungen erleben.
Die Expert:innenrunde am Podium und jene im Publikum berichteten von gelingenden Beispielprojekten, und positiven Bildern in welcher Welt wir leben wollen.
Es war ein nachdenklich machender und auch ermutigender Tag der uns alle daran erinnert hat, was unsere Aufgabe sein muss: Möglichkeiten zu schaffen, damit für ALLE Menschen, die Hospiz und Palliative Care brauchen, diese auch zugänglich ist.
Vielen Dank allen, die mit dabei waren und sich für ein Vielfalt in Hospiz und Palliative Care engagieren!
Ausblick
Im Herbst 2027 wird eine internationale Konferenz zum Thema Caring Communities in Wien stattfinden. Es ist geplant, zeitnah zu dieser Veranstaltung ein weiteres Netzwerktreffen zu organisieren.
Wenn Sie Interesse an Netzwerkveranstaltungen haben oder informiert werden möchten, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme unter ilona.wenger1@chello.at , dachverband@hospiz.at bzw. wenn Sie den kostenlosen Newsletter von HOSPIZ ÖSTERREICH abonnieren.
Weitere Informationen zum Netzwerk Palliative und Community Care gibt es hier: https://pflegewissenschaft.univie.ac.at/projekte/projekte-laufend/vielfalt-in-palliative-und-community-care-soziale-teilhabe-besonders-vulnerabler-personen/
Elisabeth Reitinger, Katharina Heimerl, Gert Dressel, Ilona Wenger und Rainer Simader
Das Organisationsteam des Instituts für Pflegewissenschaft und HOSPIZ ÖSTERREICH


