>>>>>Hospizkultur und Palliative Care in der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause (Hauskrankenpflege plus Heimhilfen)

„Ich will zu Hause sterben!“

<<<<<

Wenn Personen in Österreich gefragt werden, wo sie ihre letzten Lebenstage verbringen wollen, so ist es oftmals ihr Zuhause.

„Die Realität in Österreich ist das Sterben in Institutionen!“

Derzeit sterben in Österreich rund 70% der Menschen in Institutionen[1], da die Bedingungen, um ein Sterben zu Hause zu ermöglichen, oftmals nicht gegeben sind.

„Wie kann es sein, dass Wunsch und Wirklichkeit so weit auseinanderklaffen?“

Ein Sterben zu Hause bräuchte das gemeinsame Zusammenwirken von PatientInnen, An- und Zugehörigen, den Pflegepersonen aus der Hauskrankenpflege, der Hausärztin/des Hausarztes, dem Mobilen Palliativteam, dem Hospizteam, den Rettungsdiensten und den Krankenhäusern.

[1] http://www.springermedizin.at/artikel/13478-das-institutionalisierte-sterben, 2009

Die Ausgangssituation des Projektes HPC Mobil

Die MitarbeiterInnen in der Hauskrankenpflege haben in ihrer Arbeit ein sehr hohes Maß an körperlicher und psychischer Belastung zu tragen. Sie sind alleine vor Ort und müssen sehr oft schwierige Entscheidungen treffen, vor allem wenn es sich um schwer kranke und sterbende Menschen jeden Alters handelt. Sie begleiten nicht nur die PatientInnen (Kinder bis Menschen ins hohe Alter), sondern auch deren An- und Zugehörige. Jede Krisensituation verstärkt den Druck auf die Betreuungs- und Pflegepersonen. Sie arbeiten in einer Leistungsabrechnung, wo es z.B. keine vergütete Zeit gibt für die Angehörigen, für vorausschauende Planung, für ein Treffen mit der Hausärztin/dem Hausarzt bzw. anderen Dienstleistern in der Betreuung zu Hause. Die PatientInnen werden von vielen verschiedenen Betreuenden begleitet, die Bezugspflege ist in der Realität kaum umzusetzen.

Start des Projektes „Hospizkultur und Palliative Care in der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause (HPC Mobil)“

Ausgehend von diesen Problemlagen startete 2015 das dreijährige Pilotprojekt „Hospizkultur und Palliative Care in der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause (HPC Mobil)“. Projektträger ist der Dachverband Hospiz Österreich, das Projekt wird vom Fonds Gesundes Österreich unterstützt. Mit dabei sind die folgenden fünf Wiener Träger in ihren Teilbereichen „Pflege und Betreuung zu Hause“: Arbeiter Samariter Bund Wien, Caritas der ED Wien, CS Caritas Socialis, Sozial Global AG und Volkshilfe Wien. Insgesamt erreicht das Projekt wienweit etwa 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ziele von HPC Mobil

Ziel von HPC Mobil ist es, durch die Entwicklung der Organisation und des Potentials der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter daran mitzuwirken, den Wunsch der KlientInnen und Klienten zu Hause zu sterben zu ermöglichen. Es geht um möglichst gute Lebensqualität bis zuletzt.

Umsetzung von HPC Mobil

  • Dreitägige Workshops für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Berufsgruppen zum Thema Hospizkultur und Palliative Care
  • Gezielte Arbeit an der Organisationsstruktur zur nachhaltigen Integration des Themas Hospizkultur und Palliative Care (z.B. Ein- und Umsetzung einer Palliativgruppe und einer Palliativbeauftragten/ eines Palliativbeauftragten bei jedem Träger, regelmäßige Treffen mit den TrainerInnen, mit den operativen Führungskräften, denen u.a. in der Umsetzung von HPC Mobil eine wichtige Funktion zukommt.)
  • Verbesserung der Zusammenarbeit mit allen in der Betreuung Tätigen, allen voran den Angehörigen und Vertrauenspersonen, der Hausärztin/dem Hausarzt, den Mobilen Palliativteams, den Hospizteams, den Rettungsdiensten und Krankenhäusern
  • Umsetzung von vorausschauender Planung gemeinsam mit allen Beteiligten
  • Information, Austausch und Planung von gemeinsamen Strategien mit politischen Entscheidungsträgern und Fördergebern, um ein Sterben zu Hause zu ermöglichen
  • Information, Austausch, Vernetzung mit allen Interessierten in allen Bundesländern in Österreich und darüber hinaus mit den Nachbarländern, den Ländern der europäischen Union und der Welt
  • Information, Austausch und Sensibilisierung der Menschen, die in Österreich leben

Evaluierung

Eine projektbegleitende Evaluierung, die die Stärken und Schwächen des Pilotprojektes aufzeigen wird, wird vom NPO Institut (Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship) der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführt.

Organisationsentwicklung

Erfahrene und kompetente Organisationsentwicklungsbegleitung erfolgt durch em. Univ. Prof. Dr. Ralph Grossmann.

Bisherige Schlussfolgerungen und Visionen (Juni 2017)

Was muss gegeben sein, damit die Betreuung und Pflege zu Hause bis zuletzt gelingt?

Die mobile Hauskrankenpflege, insbesondere die vielen Frauen, die in diesem Bereich arbeiten, brauchen in der Betreuung von schwer kranken und sterbenden PatientInnen Flexibilität und Freiraum. Sie müssen in ihren Kompetenzen als Fachpflegekräfte in diesem Feld aktiv sein können, also Situationen einschätzen und danach handeln können.

Das kann bedeuten, dass sie einen Termin der vorausschauenden Planung organisieren und gemeinsam mit dem Hausarzt/der Hausärztin, der Patientin/dem Patienten, den Angehörigen und Vertrauenspersonen abhalten. Bei dieser vorausschauenden Planung trifft man Vereinbarungen, von denen alle involvierten Personen wissen und an denen sich alle orientieren können, um in ethisch schwierigen Situationen die für die Patientin/den Patienten beste Entscheidung zu treffen.

Angehörige und Vertrauenspersonen müssen nicht nur informiert, sondern häufig auch beraten und unterstützt werden, damit sie z.B. auch Betreuungsleistungen übernehmen können, beispielsweise in der Nacht, und im Sinne der Patientin/des Patienten handeln können. Es muss den professionell Betreuenden erlaubt sein, diese wichtige Beratungsarbeit zu leisten. Zentral ist auch, dass sich die professionellen BetreuerInnen von schwerkranken und sterbenden Menschen (Grundversorgung wie Hauskrankenpflege und HausärztInnen, spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung wie Mobile Palliativteams, Hospizteams…) kennen. Es braucht dazu vereinbarte Kommunikationsstrukturen.

Es braucht die Bezugspflege oder die Bezugsgruppe, die sich um eine Patientin/einen Patienten sorgt.

Das Sterben verläuft nicht nach Plan und daher kann in dieser Lebensphase die Betreuung nicht in einer Leistungsabrechnung im 15, 30 oder 45 Minutentakt erbracht werden. Das erschwert die Begleitung und Pflege von schwerkranken und sterbenden PatientInnen zu Hause erheblich.

Alle diese Aspekte sprechen sehr für eine kleinräumige Struktur, wo sich alle Betreuenden rund um eine/n schwerkranke/n Patienten/in kennen und miteinander optimal kooperieren können.

Das ist unter den derzeitigen Bedingungen kaum möglich.

Kontakt

Projektleitung: Dr.in Mag.a Sigrid Beyer, Hospiz Österreich, sigrid.beyer@hospiz.at

Projektassistenz: Maria Eibel, BSc MA, Hospiz Österreich, maria.eibel@hospiz.at

Publikation

Beyer Sigrid, Wenn der Blick auf die gesellschaftlich geprägte Geschlechtlichkeit fehlt, dann kommt die Ungerechtigkeit ins Spiel – Gender in der Betreuung und Pflege von hochaltrigen Frauen und Männern.
In: Praxis Palliative Care, Ausgabe 35, S. 18f., Juni 2017