Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Österreich

Hugo Portisch

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Niemandem von uns bleibt es erspart – das Sterben. Der Tod gehört zum Leben. Dennoch haben viele Angst vor dem Tod, nein, mehr noch vor dem Sterben. Denn vor dem Tod steht das Todesurteil – unheilbar. Von diesem Urteil bis zu seiner Vollstreckung – das ist die Wegstrecke, die wir viel bewusster zurücklegen als alle anderen Abschnitte unseres Lebens: Jeder Tag, jede Stunde wird zum Geschenk, keine Minute darf vergeudet werden. So sollte es sein. Aber so kann es nur sein, wenn es uns gelingt, diese Zeit ohne Verlust an Würde, ohne qualvolle Schmerzen und doch bei vollem Bewusstsein, ja im Gefühl des Geborgenseins zu verbringen. Die Chance zu haben, diese Zeit dem Nachdenken widmen zu können, dem Sich-Vertraut-machen mit dem Kommenden. Möge es allen Menschen gelingen, diese letzte Wegstrecke ihres Lebens auf diese Weise zurückzulegen. Umgeben von Menschen, von denen sie geliebt werden. Viele haben dieses Glück nicht. Gut dass es die Hospizbewegung gibt.

Heinz Nussbaumer

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Es hat mich immer berührt, mit wie viel Liebe und Fürsorge wir die Kinder auf ihrem Weg ins Leben begleiten – und wie isoliert und einsam so viele Menschen den Weg aus diesem Leben antreten müssen. Die Hospizbewegung hat hier auf wunderbare Weise ein neues Bewusstsein geschaffen – und vorgelebt. Mit ihr verbinde ich die Hoffnung, dass wir bis zuletzt in Würde leben können – betreut und umsorgt von mitfühlenden Menschen.

Johannes Meran

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Die Hospizbewegung hat das wichtigste Ziel jeder ärztlichen Arbeit wieder neu in Erinnerung gerufen. Ärztliche Kunst ist begrenzt, doch die Begleitung und Bemühung um Lebensqualität darf nicht an medizintechnischen Grenzen stehen bleiben. Im Gegenteil, die größten Herausforderungen bestehen darin, menschliche Wärme und Empathie mit modernster Medizintechnik gerade in den existentiellen Situationen in Harmonie zu bringen. Fachkompetenz des Arztes bedeutet im Angesicht des Sterbenden auch den Mut zu haben, die Grenzen scheinbar ohnmächtig auszuhalten. Gerade dann nicht davonzulaufen, wenn alle medizinischen Bemühungen versagen, sondern die neuen Ziele der Begleitung physisch, psychisch, spirituell zu entdecken, Beschwerden kompetent zu lindern und zuletzt einfach den Patienten nicht alleine zu lassen. Denn nur wer die Erfahrung macht, angenommen zu sein, wird sein Leid annehmen können. Die Hospizbewegung hat sich der Aufgabe gestellt, interdisziplinäre Konzepte der Palliativmedizin in praxisorientierten Lehrgängen zu unterrichten und als Brückenfach zu positionieren. Das Netzwerk wächst, neue Palliativstationen und ambulante Einrichtungen mit höchster Fachkompetenz entstehen, doch diese Arbeit wird nie ausgehen.

Peter Matic

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Hospizbewegung & Palliative Care sind die einzige Alternative zur aktiven Sterbehilfe – selbst für einen nicht gläubigen Menschen, der nicht an ein Fortleben nach dem Tod glaubt. Ein Bekannter von uns ist im Hospiz am Rennweg gestorben. Er hat dort eine sehr kurze, aber kostbare Zeit verbracht. Seine Witwe hat ganz begeistert von den letzten Stunden im Hospiz erzählt. Es ist ja auch für die Angehörigen so schwer: Wer kann mit dem Sterben eines geliebten Menschen umgehen? Wir alle sind nicht darauf vorbereitet. Wir haben vielleicht Vorstellungen davon, wie man einen Sterbenden begleiten kann, wenn man aber tatsächlich in der Situation ist, stellt sich die Frage, ob man dazu die nötige Kraft hat oder ob man zusammenbricht. Ich finde es wunderbar, dass es Hospizeinrichtungen gibt: So wie man in einer Gebärklinik behütet zur Welt kommt, so behütet kann man auch die Welt verlassen.

Michael Landau

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Menschen sollen an der Hand eines anderen Menschen sterben und nicht durch die Hand eines anderen Menschen. Auf diesen breiten gesellschaftlichen Konsens über alle Parteigrenzen hinweg können wir stolz sein. Es ist dies im Sinne von Kardinal Franz König, und in Erinnerung an ihn gesagt ein „Beispiel für Europa“ und ein „wichtiges und vitales Zeichen, wie sehr in unserer Demokratie das Gemeinwohl von allen im Parlament vertretenen Parteien mitgetragen wird“.

Paul Gulda

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„Wann I amoi stirb, stirb, stirb,
Miass´n mi d´Fiaker trag´n
Und dabei d´Zithern schlag´n.
Weil I des liab, liab, liab,
Spüt´s an Tanz laut und hell,
Oiweil fidel.“
(Alt-Wiener Fiakerlied, gesungen
von Friedrich Gulda)

…Bin Freund und komme
nicht zu strafen…
Ich bin nicht wild, sollst sanft
in meinen Armen schlafen.
(Der Tod und das Mädchen,
Mathias Claudius/Franz Schubert)

So ähnlich, wie in diesen wunderbaren Liedern beschworen, denke auch ich an den Tod: Als folgerichtigen, lang erwarteten Schlussakkord eines hoffentlich erfüllten Lebensliedes. Sogar mit gewisser Neugier: wie an ein bislang ungekanntes, unerhörtes Erlebnis. Ich wünsche jedem Menschen und auch mir selbst, dass wir diesen Moment gefasst und in Würde, nach dem eigenen, richtigen Rhythmus erfahren dürfen: deswegen unterstütze ich HOSPIZ Österreich.

Barbara Frischmuth

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Ich halte die Hospizbewegung deshalb für so bedeutend, weil ich Sterbebegleitung und Schmerztherapie für unverzichtbar halte, wenn es darum geht, in Ruhe sterben zu können. Ich sage absichtlich in Ruhe, da wir in einer Zeit leben, in der man sich immer und überall beeilen muss. Zeit ist Geld, heißt es. Das Sterben aber hat mit dem Nun zu tun, der Ewigkeit im Augenblick und dem Augenblick in der Ewigkeit. Dafür soll man sich schon Zeit lassen dürfen.

Margit Fischer

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Ich betrachte die Hospizbewegung als eine unverzichtbare Gegenbewegung gegen das Herausdrängen und Abschieben Schwerkranker und Sterbender aus unserer Gesellschaft und aus unserem Blickfeld. Sie ist ein starkes Signal dafür, dass menschliches Leben bis zuletzt Aufmerksamkeit, Respekt, menschliche Wärme und Solidarität verdient. Ich schätze an der Hospizbewegung aber auch, dass sie eine stark von Frauen getragene Basisbewegung ist – eine Bewegung, die mehr Menschlichkeit und Anteilnahme in unsere Welt bringt.