Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Österreich

Mag. Bettina Glatz-Kremsner

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Die wertvollsten Dinge im Leben sind Gesundheit, Familie und Zeit. Wenn der Lebensweg eines Menschen dem Ende zugeht, so ist die Gesundheit der Krankheit gewichen. Umso wichtiger, dass man im Endstadium seines Lebens die Möglichkeit hat, im Kreise seiner Familie Abschied von dieser Welt zu nehmen. Hospiz- und Palliativorganisationen bieten Unterstützung bei der Betreuung zu Hause und auf einer Palliativstation. Sobald die Pflege in einem Krankenhaus nicht mehr zielführend, die Pflege zu Hause nicht mehr bewältigbar ist, bietet ein Stationäres Hospiz die beste Möglichkeit, einem Menschen in seinen letzten Tagen und Wochen einen würdigen und weitestgehend selbstbestimmten Lebensabend zu schenken. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der österreichischen Hospizbewegung begleiten Sterbende und ihre Angehörigen bis zum letzten Atemzug. Das ist eine Arbeit, für die man gar nicht genug Respekt aufbringen kann. Ich danke Ihnen aufrichtig und unterstütze Sie sehr gerne.

Badelt Christoph

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Heute ist es modern, das Leben durch die ökonomische Brille zu betrachten. Produktivität, wirtschaftlicher Erfolg, Effizienz – das sind die Themen, die hohe Popularität genießen. Das Wort von der „Lebensqualität“ wird zurückgedrängt, Lebensphasen, die nicht mit Erfolg besetzt sind, werden gerne verdrängt. Das gilt auch für jene Zeit, in der sich Menschen auf den Weg machen, diese Welt zu verlassen. Dabei ist es gerade diese Zeit, wo Lebensqualität eine besondere Bedeutung erhält; und es ist jene Zeit, wo wirtschaftlicher Erfolg zur Nebensache wird – aber trotzdem Ressourceneinsatz nötig ist, um Lebensqualität zu schaffen. Menschlichkeit ist kein Widerspruch zum ökonomischen Erfolg; wir sollten den ökonomischen Erfolg unserer Gesellschaft dazu nutzen, mehr Menschlichkeit zu schaffen. Gerade auch für Menschen mit schwerer Krankheit und Menschen im Vorfeld des Todes.

Dr. Annemarie Fenzl

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Die meisten Menschen haben Angst vor dem Tod. „Media vita in morte sumus“ wusste man im Mittelalter:„Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben“. Der Tod gehörte zum Leben. Heute gehört er scheinbar nicht mehr dazu, wir haben gelernt, ihn zu verdrängen und, so weit als möglich, zu verstecken – aber er ist trotzdem da.
Als Sekretärin von Kardinal König habe ich diesen oftmals zu Kranken und Sterbenden begleiten dürfen, auch in verschiedene Hospiz-Einrichtungen. Ich erinnere mich noch gut – ich habe mich anfänglich gewundert über die, ich kann es nicht anders nennen, zumeist unaufgeregte, liebevolle und – ja, fast fröhliche – Atmosphäre in den hellen, großzügig geplanten und ausgestatteten Räumen, die doch von ihrem Wesen und ihrer Bestimmung her eigentlich viel eher als ernst und bedrückend einzustufen wären und wohl in der Vorstellung vieler Menschen, die damit keine Erfahrung haben, auch so existieren.
Erst nach und nach habe ich verstehen gelernt, worum es hier eigentlich geht.Wenn man, wie ich es durfte, erlebt hat, dass es möglich ist, liebevoll begleitet, seine letzte Wegstrecke in Geborgenheit und Klarheit und Vertrauen zu gehen, ohne Angst oder Bedrängnis, dann verliert man selbst die Angst vor dem Tod. Dann lernt man ihn, der das Leben erst kostbar macht, zu akzeptieren als den wichtigsten Moment nach der Geburt, der uns immer mahnt, unsere Zeit nicht zu vergeuden und jeden Augenblick bewusst zu leben. Und umso besser das gelingt, umso „leichter“ wird es dann einmal sein.
Aber nicht alle Menschen haben diese Erfahrungen machen dürfen. Und daher haben viele Angst. Und wenn man nachfragt, dann wird meist deutlich: es ist mehr die Angst vor dem Sterben als vor dem Tod. Und weil das so ist, ist die Hospizbewegung so unersetzlich geworden. Sie ruft uns das alte Wissen in Erinnerung, aus einer Zeit, da Glaube und Leben noch eine Einheit bildeten und hilft uns damit, für uns selbst und die, die wir lieben, aber auch für die, die niemanden haben, jenes Maß an Würde zu bewahren, das Gott jedem von uns zugedacht hat, vom ersten Atemzug bis zum letzten.

Dr. Elisabeth Bleyleben-Koren

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Schutz und Begleitung für Sterbende sollte für uns alle ein Thema sein, ist es jedoch leider nicht. Für mich, sind die ehrenamtlichen Hospizbegleiter ein Beispiel. Sie schenken einen Teil ihrer Freizeit und sind für Sterbende und ihre Angehörigen da. Sie reden und hören zu in Momenten der Krankheit, des Schmerzes und des Abschieds. Sie haben Zeit am Bett von Sterbenden zu sitzen. Sie haben den Mut zu bleiben und sich mit Angst und Trauer auseinanderzusetzen.
Sie ermöglichen menschliche Würde bis zuletzt.

Als Hospizbotschafterin danke ich all den ehrenamtlichen Hospizbegleitern, die Menschen in der letzten Phase ihres Lebens beistehen.

Angela Baillou

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Mein Schwager starb mit Anfang 50 völlig unerwartet eines Sonntag morgens im Bett an einem Gehirnschlag. Ein riesen Schock für unsere ganze Familie, eine Katastrophe für meine älteste Schwester und ihre vier Kinder. 10 Monate später lag mein Vater nach Darmkrebs und Leukämie im Sterben. Meine Eltern hatten mit den Ärzten in der Klinik verabredet, wenn es soweit sei, kommt er zum Sterben nach Hause. Meine Mutter pflegte aufopfernd bis an den Rand ihrer eigenen körperlichen Kräfte. Mein Vater starb unendlich langsam und sehr qualvoll, aber zu Hause im Kreise seiner gesamtem großen Familie. Meine älteste Schwester stand an seinem Sterbebett und erkannte die Gnade des schnellen Todes ihres eigenen Mannes. Aber man kann sich seinen Tod nicht aussuchen… 3 Jahre später kam durch Vermittlung von Bekannten ein junger Mann mit Leberkrebs zu uns nach Wien um für vier Wochen eine alternative Therapie in Wien zu machen, da die deutsche Schulmedizin ihn aufgegeben hatte. Er hatte große Hoffnungen und Träume und wollte alles, nur nicht mehr ins Krankenhaus. Er blieb 10 Monate bei uns und starb in unserer Wohnung. Da er aus komplizierten Familienverhältnissen kam wurden wir, ohne es zu planen, seine letztes Zuhause. Mein Mann und ich sind beide voll berufstätig, unsere Tochter war damals ein Jahr alt. Obwohl unsere Kinderfrau sich als wahrer Engel bewies und unser neuer Mitbewohner eine junge Freundin gefunden hatte, die sich viel um ihn kümmerte schafften wir die Pflege nicht. Auch eine zusätzliche Haushaltshilfe reichte nicht mehr. Die letzten zwei Wochen seines Lebens kam uns der Mobile Hospizdienst der Caritas zu Hilfe. Sein Tod war kein Kampf ums Leben, sondern ein sehr friedliches Voneinander – Abschiednehmen! Es ist nicht jedem möglich eine solche Situation zu Hause durchzuziehen, schon gar nicht alleine, aber ich wünsche jedem eine solch friedvollen Tod, wie ich es zweimal schon miterleben durfte- darum geht es nicht ohne Hospiz!

Gabriele Zuna-Kratky

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Wir leben in einer leider hektischen Welt, die oftmals keine Zeit für Menschlichkeit findet. Ich unterstütze die Hospizbewegung, weil das Thema Sterbebegleitung uns alle irgendwann betrifft. Deshalb sollten wir versuchen eine „Insel der Menschlichkeit“ zu schaffen, die es ermöglicht, diese Welt in Würde und Liebe zu verlassen.

Wolfgang Schütz

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Aus meiner Sicht soll die Palliativmedizin an einem Universitätsklinikum folgende Aufgaben erfüllen: In der Lehre soll neben dem aktuellem Stand der palliativmedizinischen Diagnostik und Therapie der Umgang mit Sterbenden, mit Tod, Trauer, Wahrheit und Wahrhaftigkeit vermittelt werden; dazu zählen auch Reflexion und Supervision der eigenen Grenzen, Ethik, Kommunikation und Teamarbeit. Die Forschung soll nach neuen Möglichkeiten der Symptomen-kontrolle sowie verbesserter Betreuung von Angehörigen suchen, Maßnahmen zur Sicherung der Lebensqualität terminal kranker Menschen erstellen; weitere Forschungsthemen sind Epidemiologie und Prognose, Evaluation unterschiedlicher Betreuungsformen, bio- und psychosoziale Prozesse im Rahmen terminaler Krankheitsstadien bei Betroffenen, Angehörigen sowie betreuenden Personen. Letztlich kommt der Palliative Care an einem Universitäts-klinikum Signalwirkung zu: Universitäre Einrichtungen sind aufgerufen, einen Beitrag zur Neubewertung des Umgangs mit Sterben, Tod und Trauer innerhalb des modernen Medizinsystems und in der Gesellschaft zu leisten.

Hannelore Reiner

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In unserer vom Tempo der Maschinen diktierten Zeit fallen Menschen, die mit diesem Tempo nicht mitkönnen, leicht ins Abseits. Die uralte Sehnsucht nach ewiger Jugend scheint im modernen Wellnesstourismus eine neue Entsprechung gefunden haben. Und wieder bleiben jene auf der Strecke, die diesen Trend aus Krankheits- oder Altersgründen nicht mitmachen können. Denn auch eine noch höhere Lebenserwartung kann Sterben und Tod nicht aus der Welt schaffen.
Hospizbewegung und Palliative Care setzen dem gegenüber einen Not wendenden und notwendigen Kontrapunkt. Sie nehmen genau jene in den Blick, die durch Alter und Krankheit gezeichnet, das geforderte Tempo nicht (mehr) mithalten können. Mit Respekt vor der Würde jedes Menschen werden Leidende und Sterbende bis zum letzten Atemzug wertschätzend begleitet.
Dies ist im besten Sinn Umsetzung dessen, was ChristInnen nach dem Auftrag Jesu geboten und zugleich verheißen ist: „Was ihr einem von diesen Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matth. 25, 40)

Barbara Stöckl

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Ich habe auch Angst vor dem Tod, wie so viele Menschen. Je älter man wird, desto mehr erkennt man die Notwendigkeit, sich mit den Themen Abschied, Loslassen, Sterben zu beschäftigen. Das Ende gehört genauso zum Leben wie der Anfang – das eine feiern wir, das andere verdrängen wir. Die Hospizbewegung hilft uns dabei, das Sterben ins Leben zu holen, dorthin, wo es hingehört. Älter werden ist so, wie einen Berg besteigen: Je näher man dem Gipfel kommt, desto anstrengender wird es, aber desto besser ist der Ausblick – der Überblick über die Welt, die dann plötzlich ganz klein ist. Menschen mit Respekt zu begegnen, ist niemals eine Frage des Alters – das sollte für Kinder genauso gelten wie für ältere Menschen. Ihnen Würde zu geben, ist eine der größten Aufgaben. Sich würdig ihnen gegenüber zu zeigen, das heißt einfach, ihr Leben zu schätzen – all das, was sie auf dieser Welt geleistet, gelebt, hinterlassen haben, in Ehre zu tragen. Menschenwürde – das ist ein schönes Wort, ein so wichtiges Wort, eine große Tat!

Elisabeth Zottele

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Als Musikerin kam ich 1996 zum ersten Mal mit Hospiz in Berührung. Mein Schwiegervater lag damals im Sterben – ich selbst war schwanger, spürte das werdende Leben in mir und studierte gerade intensiv mit einem großen Chor G.F. Händels „Messias“ ein. Die persönliche Betroffenheit ermöglichte – ja verlangte – eine andere Form der Auseinandersetzung mit dem geistlichen Inhalt dieses Werkes. Händel komponierte den „Messias“ in einer ausweglosen Situation; er war physisch und psychisch am Ende. Die Worte der Hl. Schrift haben ihm Lebensfreude und Schaffenskraft zurück gebracht. Und so widmete er dieses Werk auch den kranken, leidenden und sterbenden Menschen und nahm dafür kein Geld an. Der „Messias“ zeigt in einzigartiger Weise, dass Leben und Tod untrennbar miteinander verbunden sind. Er gibt Hoffnung, dass wir im Tod nicht allein gelassen sind, sondern hinein genommen werden in die Liebe Gottes. Nicht zufällig hat die internationale Hospizbewegung dieses Werk als ihr musikalisches Vermächtnis gewählt. In Benefizkonzerten für Hospiz sehe ich meine besondere Aufgabe darin, die inneren Lebensprozesse geistlicher Musik transparent zu machen, um auf diese Weise zu trösten und Kraft und Hoffnung zu geben.

Christoph Kardinal Schönborn

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Kardinal Franz König, einer der großen Brückenbauer des vergangenen Jahrhunderts, hat die Hospizbewegung mit ganzer Kraft unterstützt. Von ihm stammt das Wort, niemand solle durch die Hand eines anderen sterben, wohl aber an der Hand eines anderen. Es ist der Hospizbewegung und der Palliativmedizin zu verdanken, dass die Sterbenden nicht ihrem Schicksal überlassen und zum Sterben abgeschoben werden, sondern die letzte Wegstrecke, die in besonderer Weise zum Menschen gehört, in Würde gehen können. Wo die Schulmedizin ihre Grenzen findet, ermöglicht die Hospizbewegung ganz im Sinn des Gebots der Nächstenliebe menschliche Geborgenheit und die Auseinandersetzung mit dem letzten, schwer ergründbaren Geheimnis der menschlichen Existenz und dem Glauben an das Leben nach dem Tod.

Barbara Rett

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Es ist viele Jahre her und doch unvergesslich. Als junges Mädchen besuchte ich mit meiner Mutter eine Klinik in London, in der Cicely Saunders, die Gründerin der modernen Hospizbewegung sterbende Menschen betreute. In Minuten weicht mein ängstliches Gefühl unendlichem Staunen. Sterben in Würde, in Gelassenheit, ja Heiterkeit ist möglich? Der Eindruck lichtdurchfluteter, offener Räume. Menschen, die kommen und gehen – Verwandte, Freunde, Nachbarn, Kinder. Niemand, der weggesperrt ist oder einsam, niemand der Schmerzen leidet und niemand, der den Tod verdrängt. Fast eine Utopie. Wir sollten sie auch in Österreich zum Alltag machen! Und zwar überall, wo schwerkranke oder hochbetagte Menschen ihre letzte Lebensphase verbringen.