Erste Initiativen zu Hospiz und Palliative Care in Österreich starteten in den späten 1970er-Jahren. Die Entwicklungen in Deutschland und Großbritannien, Begegnungen von ÖsterreicherInnen mit Cicely Saunders, Elisabeth Kübler-Ross, Heinrich Pera und der Film von Roland Iblacker SJ “Noch 16 Tage” über das St. Christopher‘s Hospice in London waren Inspirationsquellen. Wirklich in Bewegung kam die Initiative nach den Patientenmorden im Krankenhaus Lainz (1989).

Eine der Pionierinnen war Sr. Mag.a Hildegard Teuschl CS, die sich dem Thema über die Bildung anzunähern begann und 1978/79 den ersten Kurs für Sterbebegleitung in Wien abhielt. Viele AbsolventInnen der unten aufgezählten und von Sr. Hildegard initiierten und maßgeblich mitgestalteten Fort- und Weiterbildungen wurden zu wichtigen ImpulsgeberInnen in der Entwicklung von Hospiz und Palliative Care in ganz Österreich.

  • 1978/79 erster Kurs für Sterbebegleitung in der Lehranstalt für Sozialberufe der Caritas / Wien in der Seegasse (im Rahmen der Ausbildung zur Alten-, Familien- und Heimhelferin)
  • 1988/89 erster einjähriger interdisziplinärer Lehrgang für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung für Haupt- und Ehrenamtliche (Vorläufer der Interprofessionellen Palliativbasislehrgänge bis 1998)
  • Seit 1990 bis heute Semesterkurse für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung für Ehrenamtliche im Bildungshaus Lainz (heute Kardinal-König-Haus)
  • 1994 wird der einjährige interdisziplinäre Lehrgang für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung in einen Lehrgang mit Öffentlichkeitsrecht des BMUK umgewandelt
  • 1998/99 findet der erste einjährige Interprofessionelle Palliativbasislehrgang im heutigen Sinn statt. Er erhält im Dezember 1999 als Internationaler Universitätslehrgang Palliative Care vom BM für Wissenschaft und Kunst das Öffentlichkeitsrecht.
  • Seit 2000 ist der einjährige Interprofessionelle Palliativbasislehrgang zugleich als Modul 1 des Masterstudiums an der IFF und seit 2006 als Stufe I des Universitätslehrgangs Palliative Care der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, des Dachverbandes Hospiz Österreich und des Bildungszentrums St. Virgil anerkannt.
  • In den Bundesländern entwickelten sich seit 1994 ebenfalls Ausbildungskurse für Ehrenamtliche und Interprofessionelle Palliativbasislehrgänge gemäß den Curricula des Dachverbandes Hospiz Österreich

Die Situation in Wien als Umfeld der Gründung des Dachverbandes

1987 stellte die Caritas Socialis (CS) in der Pramergasse (Wien 9) ein Büro zur Verfügung. Eine interdisziplinäre Gruppe traf sich regelmäßig mit dem Ziel, die Hospizarbeit in Wien zu beginnen. Eduard Spörk verfasste eine Projektarbeit für den Aufbau eines Mobilen Hospizes. Dafür erhielt die Caritas Socialis den Fürst von Liechtensteinpreis (100.000 Schweizer Franken), womit die interdisziplinäre Arbeit aufgenommen wurde. Parallel wurde mit dem Aufbau eines stationären Hospizes begonnen. Ende der 80iger Jahre übernahm die Caritas der Erzdiözese Wien die Trägerschaft des Mobilen Hospizes, während sich die Caritas Socialis auf die Gründung des (stationären) CS Hospiz Rennweg konzentrierte.

1992 eröffnete im Krankenhaus Göttlicher Heiland die erste Hospizstation, die später aus finanziellen Gründen in eine Palliativstation umgewandelt wurde. Dr. Franz Zdrahal spielte in beiden Fällen eine wichtige Rolle.

Zeitgleich entstanden in den Bundesländern unterschiedliche Hospizgruppen und Hospizinitiativen.

Erste Vernetzung

Eine erste Vernetzung von Initiativen und Personen erfolgte über den 1987 gegründeten Österreichzweig der IGLS (Internationale  Gesellschaft  für  Sterbebegleitung  und  Lebensbeistand, 1986 in Deutschland von Dr. Paul Becker gegründet). Sr. Hildegard Teuschl CS, Dr. Christian Metz und Dr.in Brigitte Riss gehörten dem Vorstand der IGSL an, traten aber später aus diesem Vorstand aus (Sr. Hildegard Teuschl erst 1995) und gründeten den Dachverband Hospiz Österreich.

Gründung des Dachverbandes Hospiz Österreich

Im September 1993 erfolgte die Gründung des Dachverbandes Hospiz Österreich als eigenständiger Verein.

Am 6.9.1993 fand im heutigen Kardinal-König-Haus (damals Bildungshaus Lainz) die konstituierende Generalversammlung von „Menschenwürde bis zuletzt. Österreichischer Dachverband von Initiativen für Sterbebegleitung und Lebensbeistand“ statt, der damalige Name des Dachverbandes Hospiz Österreich.

Sr. Mag.a Hildegard Teuschl CS, Werner Wanschura und Elisabeth Wieser luden im Namen des Projektteams ein. Bei der Gründung war Hildegard Teuschl neben Dr.in Brigitte Riss und Dr. Christian Metz treibende Kraft.

Dr.in Ingeborg Jonen-Thielemann, eine Pionierin der Palliativmedizin und Palliative Care in Deutschland, hielt einen Vortrag.

Folgende Personen aus allen Bundesländern waren bei der Generalversammmlung anwesend und in diesem Sinn MitbegründerInnen (Aufzählung nicht vollständig):

Dr. Franz Zdrahal (Wien), Dr.in Brigitte Riss (NÖ), Mag. Elmar Simma (Vorarlberg), Martin Sorge (Wien), Dr.in Schrutka, Agnes Glaser (Wien), Margit Klingan (Tirol), Sr. Annemarie Gamsjäger MC (Wien), Elisabeth Biro, Sr. Ernestine Kirchgrabner bhs, Birgit Stössl, Dr. Bauer, Eduard Spörk (CS Wien), Gertrud Weber, Dr.in Tilli Egger (Wien), F. Lauda, Dr. Christian Metz (Wien), Lisi Rothental, Anna Grabner, Dr.in Elisabeth Wieser-Brücke, Ing. Schmid, H. Hammerer, M. Fürrutter.

2004 erhielt der Dachverband Hospiz Österreich den Kardinal-König-Preis.

Der Dachverband Hospiz Österreich wurde 15 Jahre von Sr. Hildegard Teuschl als Präsidentin geleitet. Im Februar 2008 übergab sie im Rahmen einer Generalversammlung den Vorsitz an Waltraud Klasnic, die seither als Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich wirkt.

Anlässlich der Feier „20 Jahre Dachverband Hospiz Österreich“ im Herbst 2013 wurde eine Präsentation gezeigt, die einen Einblick in Meilensteine gibt 20 Jahre DVHÖ Teil 1 und Teil 2

Zur Geschichte von Hospiz und Palliative Care und der Hospizbewegung in Österreich siehe Bereich „Hospiz und Palliative Care/Geschichte