>>>>>VSD Vorsorgedialog® für Alten- und Pflegeheime

Das vorausschauende Nachdenken über die eigenen Wünsche für ein gutes Leben und ein würdiges Sterben und das schriftliche Festhalten dieser Wünsche unterstützt die Selbstbestimmung einer/s jeder/n Einzelnen – und kann in der Zeit von Gebrechlichkeit und Krankheit im hohen Alter sehr hilfreich sein.

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Im Rahmen des Projektes Hospizkultur und Palliative Care in Alten- und Pflegeheimen (HPCPH) haben die Betreuenden in Alten- und Pflegeheimen im Diskurs mit den MutliplikatorInnen¹ und den ProjektbegleiterInnen von Hospiz Österreich auf die Notwendigkeit einer guten vorausschauenden Planung hingewiesen.

Es wurde deutlich, dass Hospizkultur  und Palliative Care ohne einen Dialog aller Beteiligten zu den Wünschen bezüglich eines guten Leben und eines würdigen Sterbens der BewohnerInnen nicht umfassend umgesetzt werden kann.  Immer wieder kam es am Freitagabend, am Samstag und Sonntag, wo der Hausarzt/die Hausärztin nicht erreichbar und die Pflegedienstleitung nicht mehr im Dienst war, zu von den BewohnerInnen ungewünschten Einweisungen ins Krankenhaus. Hospizkultur meint unter anderem auch, dass man dort versterben kann, wo man sich das wünschen würde/gewünscht hat. Da das bei den BewohnerInnen eines Alten- und Pflegeheimes  sehr oft das Heim und nicht das Krankenhaus ist, wurde im Projekt HPCPH auch diesem Anliegen nachgegangen.

Hospiz Österreich hat dieses in den Beirat Hospizkultur und Palliative Care in der Grundversorgung, der von Hospiz Österreich geleitet wird, gebracht. Dieser beauftragte 2014 Hospiz Österreich, eine ExpertInnengruppe ins Leben zu rufen, die an der Entwicklung eines Instrumentes der vorausschauenden Planung arbeitet. Dazu wurden bereits vorhandene Papiere und Erfahrungen miteinbezogen (u.a. aus Burgenland, Tirol, Niederösterreich, Steiermark, Wien). Mit viel Einsatz und Engagement wurde ein österreichweit gültiges Kommunikationsinstrument der vorausschauenden Planung in Alten- und Pflegeheimen  erarbeitet – der VSD Vorsorgedialog® (VSD).

[1] MultiplikatorInnen leiten im Rahmen von HPCPH die Workshops Palliative Geriatrie à 36h als Fortbildung in den Heimen.

Der VSD zielt darauf ab, durch strukturierte und wiederholte Gespräche, gemeinsam mit BewohnerIn, Arzt/Ärztin, Pflegeperson, Angehörigen und Vertrauenspersonen relevante Willensäußerungen der Bewohnerin/des Bewohners in Bezug auf physische, psycho-soziale und spirituelle Bedürfnisse, auf Maßnahmen in kritischen Situationen (z.B. Wiederbelebung, Einweisung in Krankenhaus, Einsatz von PEG Sonde) festzuhalten. Das Hauptaugenmerk des erarbeiteten VSD ist auf die Wünsche und auf den Willen der Bewohnerin/des Bewohners gerichtet.

Im September 2016 wurde der VSD in seiner endgültigen Fassung vom Beirat Hospizkultur und Palliative Care in der Grundversorgung im Konsens aller Mitglieder verabschiedet und wird nun österreichweit allen Alten- und Pflegeheimen mit einer sehr guten Hospizkultur empfohlen. Die Verwendung eines österreichweit gemeinsamen Kommunikationsinstruments der vorausschauenden Planung hat den Vorteil, dass der Wiedererkennungseffekt für gegebenenfalls hinzugezogene (Not-, Bereitschafts-, Ärztefunkdienst-) ÄrztInnen gegeben ist und diese so eher nach dem Willen der BewohnerInnen agieren können. Die Stärke des VSD ist, dass er Rechtssicherheit schaffen und einen wichtigen Beitrag dazu leisten soll, allen Beteiligten Orientierung zu geben. Es geht darum, in Krisensituationen nach den Wünschen  der Bewohnerin/des Bewohners  handeln zu können.

Ab 2017 ist der VSD wichtiger und integraler Bestandteil von HPCPH Projekten. Auch Heime, die HPCPH bereits umgesetzt haben bzw. anderweitig eine sehr gute Basis in Hospizkultur und Palliative Care erlangt haben, können den VSD Vorsorgedialog® mittels eines Einführungsprozesses integrieren. Die Pilotphase hat im Jänner 2017 begonnen und dauert bis Dezember 2020. Der Einführungsprozess umfasst Organisationsentwicklungselemente, die den VSD in die Abläufe und Strukturen der Organisation integrieren helfen, und die Fortbildung der MitarbeiterInnen, die diesen umsetzen werden.

An einer Integration des VSD interessierte Heime können sich in den Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Steiermark, Kärnten, Ober- und Niederösterreich an die landeskoordinierenden Hospiz- und Palliativstellen, im Burgenland an den Psycho-sozialen Dienst (PSD) in seiner Funktion als Landeskoordination für Palliativversorgung im Burgenland und in Wien an Hospiz Österreich wenden (siehe Kontaktliste).

Publikationen (Auswahl):

  • Beyer, Sigrid; Schmidt, Gerda, Advance Care Planning im Alten- und Pflegeheim – Der Vorsorgedialog. In: Jahrbuch der Wiener Heimkommission 2015, S. 69 – 73, erschienen im Frühjahr 2016.
  • Beyer, Sigrid; Henry, Annette; Schuh, Hans Peter, Der Vorsorgedialog – Ein Kommunikationsinstrument der vorausschauenden Planung im interprofessionellen Team. In: ÖGERN (Hg.), Notfallmedizin am Lebensende. 3. Tagungsband der Österreichischen Gesellschaft für Ethik und Recht in der Notfall- und Katastrophenmedizin (ÖGERN) des 3. Symposiums vom 4.11.2015 an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU), Salzburg, Wien/Graz 2016, Seiten 115-123
  • Beyer, Sigrid; Pissarek, Anna H., Vorsorgedialog für Alten- und Pflegeheime. In: Newsletter der Allianz für Gesundheitsförderung in Wiener Spitälern, Pflegeeinrichtungen und Seniorenwohneinrichtungen Nr. 24, Dezember 2016, Seite 5