>>>>>VSD Vorsorgedialog®

Vorausschauendes Nachdenken über die eigenen Wünsche für mögliche Krisensituationen oder das Lebensende ist ein wesentlicher Teil der Selbstbestimmung der Patient*innen. Besonders in Krisensituationen und, wenn das Sterben absehbar ist, unterstützt der Vorsorgedialog Angehörige und Pflegende im Sinne der Patient*innen zu handeln.

<<<<<

Im Rahmen der Umsetzung des Projektes Hospizkultur und Palliative Care in Alten- und Pflegeheimen (HPCPH) in den Bundesländern erkannten Betreuende, Multiplikator*innen¹ und Projektleiter*innen die Notwendigkeit von guter, zeitgerechter Planung und Vorsorge, um die Wünsche der Patient*innen erfüllen zu können.

Es wurde deutlich, dass Hospizkultur und Palliative Care ohne Dialog aller Beteiligten nur schwer umzusetzen ist. Immer wieder kam es freitagabends, samstags oder sonntags, wenn der Hausarzt/die Hausärztin nicht erreichbar und die Pflegedienstleitung nicht im Dienst waren, dazu, dass Bewohner*innen z.B. gegen ihren Willen ins Krankenhaus eingewiesen wurden. Solche Situationen sind für Angehörige sehr schwierig und bergen viele ethische Konflikte für Pflegende.

Diese Thematik wurde in den Beirat Hospizkultur und Palliative Care in der Grundversorgung eingebracht, der 2014 Hospiz Österreich beauftragte, eine Expert*innengruppe ins Leben zu rufen, um ein Instrument der vorausschauenden Planung zu entwickeln. Es wurden dazu vorhandene vorausschauende Planungen und Erfahrungen (u.a. aus dem Burgenland, aus Niederösterreich, der Steiermark, Tirol und Wien) miteinbezogen. Mit viel Engagement wurde ein österreichweit einheitliches Kommunikationsinstrument der vorausschauenden Planung in Alten- und Pflegeheimen entwickelt – der VSD Vorsorgedialog®. Der VSD findet sich in den Erläuterungen der Novelle zum Patientenverfügungs-Gesetz (zu § 8 – Voraussetzungen) und ist seit 2018 im Erwachsenenschutzgesetz als Instrument, das Menschen dabei unterstützt, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen (§239 Abs. 2, ABGB), erwähnt.

Der Vorsorgedialog ist ein Prozess. Er wurde in der Folge auch für die mobile Pflege und Betreuung zu Hause adaptiert. Am 9. Juli 2020 verabschiedete der Beirat eine finale Version. Der VSD kann nun, nach einem vorgegebenen Einführungsprozess, von Alten- und Pflegeheimen und von Trägern/Krankenpflegevereinen der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause, verwendet werden, sofern sie die Standards sehr guter Hospizkultur nachweisen können. Weiters können Allgemeinmediziner*innen mit palliativmedizinischer Kompetenz und Ärzt*innen sowie Pflegende der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung den VSD Vorsorgedialog® anwenden.

Der VSD zielt darauf ab, durch strukturierte und wiederholte Gespräche, gemeinsam mit Bewohner*in/Patient*in, Arzt/Ärztin, Pflegeperson, Angehörigen und Vertrauenspersonen relevante Willensäußerungen der Bewohnerin/Patientin bzw. des Bewohners/Patienten in Bezug auf physische, psycho-soziale und spirituelle Bedürfnisse, auf Maßnahmen in kritischen Situationen (z.B. Wiederbelebung, Einweisung in Krankenhaus, Einsatz von PEG Sonde) festzuhalten. Das Hauptaugenmerk des erarbeiteten VSD ist auf die Wünsche und auf den Willen der Bewohnerin/Patientin bzw. des Bewohners/Patienten gerichtet.

Ein Video (29:18 Min) mit einer szenischen Darstellung eines Vorsorgedialoggesprächs durch Darsteller*innen, die in ihrer Arbeit als Arzt/Ärztin und DGKP intensiv mit dem Thema beschäftigt sind, vermittelt ein lebendiges Gefühl, was ein VSD sein kann, welche Themen zentral sind, wer beteiligt ist, und dass es sich um ein Gespräch auf Augenhöhe handelt.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Vielen herzlichen Dank an die Darsteller*innen: Naida Dzaka MSc, Dr.in Annette Henry MAS, Daniel Marik, Mag.a Anna Pissarek, Dr. Harald Retschitzegger MAS, Dr. Gunther Riedl MAS, Gerda Schmidt, DGKP, MSc

An einer Integration des VSD interessierte Heime und Träger von Mobiler Pflege und Betreuung zu Hause sowie Interessierte aus dem niedergelassenen Bereich mit Palliativkompetenz können sich in den Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Steiermark, Kärnten, Ober- und Niederösterreich an die landeskoordinierenden Hospiz- und Palliativstellen, im Burgenland an den Psycho-sozialen Dienst (PSD) in seiner Funktion als Landeskoordination für Palliativversorgung im Burgenland und in Wien an den Dachverband der Wiener Sozialeinrichtungen wenden (siehe Kontaktliste).

Publikationen (Auswahl):

  • Beyer, Sigrid; Schmidt, Gerda, Advance Care Planning im Alten- und Pflegeheim – Der Vorsorgedialog. In: Jahrbuch der Wiener Heimkommission 2015, S. 69 – 73, erschienen im Frühjahr 2016.
  • Beyer, Sigrid; Henry, Annette; Schuh, Hans Peter, Der Vorsorgedialog – Ein Kommunikationsinstrument der vorausschauenden Planung im interprofessionellen Team. In: ÖGERN (Hg.), Notfallmedizin am Lebensende . 3. Tagungsband der Österreichischen Gesellschaft für Ethik und Recht in der Notfall- und Katastrophenmedizin (ÖGERN) des 3. Symposiums vom 4.11.2015 an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU), Salzburg, Wien/Graz 2016, Seiten 115-123
  • Beyer, Sigrid; Pissarek, Anna H., Vorsorgedialog für Alten- und Pflegeheime. In: Newsletter der Allianz für Gesundheitsförderung in Wiener Spitälern, Pflegeeinrichtungen und Seniorenwohneinrichtungen Nr. 24, Dezember 2016, Seite 5
  • Dzaka, Naida; Beyer, Sigrid, Der VSD Vorsorgedialog: Wie stellen Sie sich Ihre letzte Lebensphase vor? In Lebenswelt Heim Ausgabe 81, April 2019, S. 24 – 27
  • Beirat HPC in der Grundversorgung, VSD Vorsorgedialog® – sechs Jahre Entwicklungsarbeit haben sich gelohnt! Langfassung. Wien, Dezember 2020. In: Newsletter Dachverband Hospiz Österreich vom 18.12.2020
  • Beirat HPC in der Grundversorgung, VSD Vorsorgedialog® – sechs Jahre Entwicklungsarbeit haben sich gelohnt! Kurzfassung. Wien, Dezember 2020. In: Newsletter Dachverband Hospiz Österreich vom 18.12.2020
  • Niedenzu, Sophie; Der Patient entscheidet. In: ÖÄZ 18, 25. September 2020, Seite 10, Mit freundlicher Erlaubnis der ÖÄK