Patientenverfügung Seit 1. Juni 2006 hat Österreich ein Patientenverfügungsgesetz

Der Dachverband HOSPIZ ÖSTERREICH hat gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Patientenanwälte und der Caritas ein einheitliches Formular für die Errichtung von beachtlichen oder verbindlichen Patientenverfügungen entwickelt, das in der Folge mit dem Gesundheitsministerium, dem Justizministerium und weiteren Institutionen abgestimmt wurde.

Zu diesem Formular gibt es von HOSPIZ ÖSTERREICH eine Broschüre mit Erläuterungen; Formulierungshilfen und einer abtrennbaren Hinweiskarte für die Brieftasche.

Die neue Broschüre kann beim Dachverband HOSPIZ ÖSTERREICH direkt oder telefonisch unter (01) 803 98 68 bestellt werden.

Ab einer Bestellung von 10 Broschüren verrechnen wir Euro 2,-/Stück und Portokosten.



Beratungsmöglichkeiten in ganz Österreich

Eine Liste mit Beratungsmöglichkeiten zur Erstellung einer Patientenverfügung in ganz Österreich finden Sie hier.

Warum Hospiz Österreich Patientenverfügungen empfiehlt

Der modernen Medizin und Technik verdanken wir eine wesentliche Lebensverlängerung und zugleich Verbesserung der Lebensqualität. Viele Menschen sind dennoch heute verunsichert - sie wünschen sich Lebensqualität bis zuletzt, Würde und Respektierung ihres Willens. Sie wollen beste Schmerzbekämpfung, aber keine Verlängerung des Sterbeprozesses.

Das Recht auf Selbstbestimmung ist ein verbrieftes Patientenrecht, daher kann jeder Mensch zu einer medizinische Behandlung einwilligen oder sie ablehnen. Um den Willen eines Menschen aber auch dann berücksichtigen zu können, wenn er sich nicht mehr äußern kann, besteht die Möglichkeit einer schriftlichen PATIENTENVERFÜGUNG. Diese dient als klare Willensäußerung und muss vom Arzt beachtet werden.
Selbstverständlich bleibt Aktive Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen / Mitwirkung am Selbstmord) auch weiterhin verboten.

Die Verfassung einer Patientenverfügung ist eine große Chance zum Nachdenken und Reden über die eigene letzte Lebensphase - und das zu einem Zeitpunkt, wo der Mensch noch bei klarem Verstand ist und mit seinen Angehörigen und mit einem Arzt des Vertrauens darüber spricht, was er will, dass andere tun oder lassen sollen, wenn er selbst nicht mehr kommunikationsfähig ist.

Eine Patientenverfügung gilt NUR für den Fall, dass ein Patient sich selbst über einen längeren Zeitraum nicht äußern kann, dass das Sterben mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist und eine Rückkehr der Ausdrucksfähigkeit sehr unwahrscheinlich ist. Eine Patientenverfügung gilt sicher nicht bei einem plötzlichen Unfall. Medizinische Notfallversorgung bleibt Pflicht der Retter, sofern der mit der Suche nach einer Patientenverfügung verbundene Zeitaufwand das Leben oder die Gesundheit von Patient/innen ernstlich gefährdet.

Eine Patientenverfügung ist eine Entlastung für die Angehörigen und gibt den Ärzten Hinweise auf den mutmaßlichen Patientenwillen.

Eine Patientenverfügung nimmt dem Arzt nicht seine Entscheidung ab, sondern stützt seine Entscheidungsfindung.



Inhalt des neuen Patientenverfügungsgesetzes:

Das Gesetz beschreibt klar, was unter einer Patientenverfügung zu verstehen ist:
Eine Willensäußerung, mit der PatientInnen bestimmte Behandlungen ablehnen, für den Fall dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr einsichts- und urteilsfähig sind oder sich nicht mehr äußern können.

Eine Patientenverfügung darf nur persönlich und nicht von einem Stellvertreter (auch nicht von einem Sachwalter) errichtet werden. Sie kann jederzeit formlos widerrufen werden.

Das Gesetz unterscheidet zwischen:
BEACHTLICHEN Patientenverfügungen und VERBINDLICHEN Patientenverfügungen.

Beide Formen müssen durch das Gesetz in Zukunft von Ärzten als ausdrücklich dokumentierter Wille eines nicht mehr kommunikationsfähigen Patienten beachtet werden.

Die Beachtliche Patientenverfügung ist eine Richtschnur für das Handeln des Arztes und muss in seine Entscheidungsfindung einfließen. Sie soll bei ihrer Errichtung mit einem Arzt besprochen werden, um klar zu beschreiben aufgrund welcher Argumente eine bestimmte medizinische Maßnahme abgelehnt wird.
Die bisher vom Dachverband HOSPIZ ÖSTERREICH verbreitete Patientenverfügung ist auch weiterhin gültig als "beachtliche Patientenverfügungen". Sie gewinnt durch das neue Gesetz an Bedeutung, weil sie auf jeden Fall bei der ärztlichen Entscheidungsfindung beachtet werden muss.

Die Verbindliche Patientenverfügung wird aufgrund der sehr strengen Kriterien insbesondere für einen kleinen Teil der Menschen mit bekannter Grunderkrankung in Frage kommen.
Voraussetzung für diese Form ist, dass die abgelehnten Maßnahmen ganz konkret beschrieben werden und dass der Patient aufgrund eigener Erfahrung die Folgen der Patientenverfügung zutreffend einschätzen kann. Sie muss schriftlich unter Angabe des Datums vor einem Anwalt, einem Notar oder rechtskundigen Mitarbeiter der Patientenvertretung errichtet werden.
Die verbindliche Patientenverfügung gilt jeweils für fünf Jahre und muss dann nach den gleichen strengen Kriterien wieder bestätigt werden.

Handhabung in Notfällen -
Das neue Patientenverfügungsgesetz lässt medizinische Notfallversorgung unberührt, sofern der mit der Suche nach einer Patientenverfügung verbundene Zeitaufwand das Leben oder die Gesundheit von Patient/innen ernstlich gefährdet.

In den Erläuterungen zum neuen Patientenverfügungsgesetz wird auch ausdrücklich festgestellt, dass die Einleitung und Verabreichung künstlicher Ernährung medizinische Handlungen sind und daher abgelehnt werden können.

Die Patientenverfügung/Willenserklärung ist bei HOSPIZ ÖSTERREICH direkt online oder telefonisch unter (01) 803 98 68 bestellbar.



Empfehlung von HOSPIZ ÖSTERREICH für die Errichtung einer Patientenverfügung

Gesetz und einheitliches Formular

Wenn ich eine Patientenverfügung errichten möchte


Vorrang hat die beachtliche Patientenverfügung