Am 23. Mai 2002 wurde vom österreichischen Parlament einstimmig der Gesetzesentwurf zur arbeits- und sozialrechtlichen Absicherung einer Karenz zur Sterbebegleitung verabschiedet, wonach pflegebegleitende Personen einen Rechtsanspruch auf Herabsetzung oder Veränderung ihrer Normalarbeitszeit erhalten können.
Diese Familienhospizkarenz ist seit 1. Juli 2002 für ganz Österreich gültiges Gesetz.

Mit der Familienhospizkarenz betrat Österreich sozialpolitisches Neuland, und setzt einen Meilenstein in der europäischen Sozialpolitik, der richtungsweisend für die Zukunft Europas werden könnte.


Was ist die Familienhospizkarenz?
Sie ist ein Rechtsanspruch auf Herabsetzung, Änderung oder Freistellung von der Normalarbeitszeit für Arbeitnehmer/innen zur Begleitung sterbender Angehöriger.

Damit wird den Bedürfnissen sterbender Menschen und ihrer Angehörigen Rechnung getragen "Lebensqualität bis zuletzt" durch die Präsenz vertrauter Angehöriger zu gewährleisten.


Wer kann sie in Anspruch nehmen?
Familienhospizkarenz können Ehepartner, Eltern, Kinder, Enkelkinder, Adoptiv- und Pflegekinder, Lebensgefährten und Geschwister in Anspruch nehmen. Die Sterbebegleitung kann auch mehreren Angehörigen gleichzeitig ermöglicht werden. Sie ist nicht an den gemeinsamen Wohnsitz gebunden und hängt nicht von Pflegehandlungen beim / bei der Sterbenden ab.

So kann z.B. das Elternpaar eines sterbenden Kindes, das zur Schmerztherapie tageweise zwischen Spital und Zuhause pendelt, entscheiden, dass beide ihre Arbeitszeit reduzieren, um abwechselnd das Kind zu begleiten.


Wie lange kann die Familienhospizkarenz dauern?
Familienhospizkarenz kann grundsätzlich drei Monate dauern und auf sechs Monate verlängert werden. Arbeitnehmer/innen sind während der Sterbebegleitung und 4 Wochen danach vor Kündigung geschützt: Sie bleiben kranken- und pensionsversichert.

Pflegekarenzgeld
Seit 1.1.2014 gebührt bei einer Familienhospizkarenz Pflegekarenzgeld für die Dauer der Maßnahme (Sterbebegleitung max. 6 Monate, bei Begleitung von schwerst erkrankten Kindern max. 9 Monate).

Anspruchsvoraussetzungen Um ein Pflegekarenzgeld nach den Bestimmungen des BPGG beziehen zu können, bedarf es der folgenden Voraussetzungen: Weitere wichtige Informationen unter
https://www.sozialministerium.at/site/Pension_Pflege/Pflege_und_Betreuung/Hilfe_Finanzielle_Unterstuetzung/Pflegekarenzgeld/Pflegekarenzgeld

Ist die Familienhospizkarenz nur für die Betreuung Sterbender vorgesehen?
Nein! Auch für die Pflege eines schwerst erkrankten Kindes (selbst wenn es nicht direkt sterbend ist) kann Familienhospizkarenz in Anspruch genommen werden.

Wie beantragt man die Familienhospizkarenz?
Ein Antrag auf die Genehmigung von Familienhospizkarenz ist vom Arbeitnehmer/der Arbeitnehmerin beim Arbeitgeber schriftlich einzubringen und muss Folgendes enthalten. Wenn kein Konsens zustande kommt, kann der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin trotzdem 5 Tage nach Bekanntgabe die Karenz antreten, bis gerichtlich weiter entschieden wird.
Mehr Informationen dazu unter
http://www.sozialministerium.at//site/Arbeit/Arbeitsrecht/Familienhospizkarenz/


Unterstützung für Angehörige
Angehörige, die Hospizkarenz in Anspruch nehmen, sind nicht allein: ein Netz von professionellen haupt- und ehrenamtlich Helfenden, wie Mobile Hospizteams und Mobile Palliativteams mit in Schmerztherapie optimal ausgebildete ÄrztInnen können die notwendigen Unterstützung leisten und Entlastung und Sicherheit bringen.

Familienhospizkarenz Broschüre
download als *.pdf

Familienhospizkarenzgeld
http://www.sozialministerium.at/site/Soziales/Pflege_und_Betreuung/Pflegekarenzgeld/

Formular Antrag
Download www.sozialministeriumservice.at

Weitere Informationen:
Pflegetelefon (Pflegegeld) Tel: 0800 20 16 22
und auf der Homepage des Sozialministeriums www.bmask.gv.at