Vorausschauende Krisen- und Notfallplanung

Was tun?

  • Besprechen Sie gemeinsam mit dem Arzt, mit der Ärztin und dem Palliativteam, welche Krisen unter Umständen eintreten können.
  • Erstellen Sie gemeinsam einen Krisen- und Notfallplan. Dieser sollte auch enthalten, wohin Sie sich wenden können, wenn die Situation Sie überfordert und sie an Ihre Grenzen kommen.
  • Bewahren Sie die schriftlichen Handlungsanleitungen in Reichweite auf.
  • Halten Sie die Medikamente für Krisen- und Notfallsituationen gut erreichbar in einer kleinen Notfallbox bereit.
  • Zögern Sie nicht, die verordneten Medikamente einzusetzen. Ihr Arzt, Ihre Ärztin hat sie für diese Situation entsprechend dosiert und angeordnet.

Wenn der/die Sterbende ins Koma fällt

Was tun?

  • Sprechen sie mit dem Patienten, der Patientin, so wie sie es zuvor getan haben.
  • Stellen Sie möglichst keine Fragen, wenn der/die Kranke nicht mehr in der Lage ist, sie zu beantworten.
  • Sorgen sie für eine ruhige Umgebung.
  • Vielleicht gibt es Menschen, die dem/der Kranken wichtig sind und die sich vielleicht noch vom ihm/ihr verabschieden möchten. Verständigen Sie sie.
  • Für wichtige Mitteilungen ist es nie zu spät (z.B. „Es tut mir leid“, „Ich liebe dich“).
  • Sehr unterstützend ist jetzt das stille Da-Sein, das Danebensitzen.
  • Wenn Ihnen das schwerfällt, achten Sie auf Ihren eigenen Atem, atmen sie ruhig und denken sie in Verbundenheit mit der/dem Sterbenden an gemeinsam Erlebtes, vielleicht mit einem Lächeln und mit Dankbarkeit.

Wenn der Tod eintritt …

Vollkommen gegenwärtig sein im Jetzt und einer unendlich viel größeren Kraft die Führung überlassen.

Wenn der Tod eintritt

Was tun?

  • Es gibt nichts, was Sie jetzt gleich tun müssen. Sie haben so viel Zeit, wie Sie brauchen, für Ihren persönlichen Abschied.
  • Nachdem der Tod eingetreten ist, sollten Sie deshalb nicht gleich aktiv werden. Lassen Sie sich Zeit und lassen Sie auch die Stille und Besonderheit dieses Augenblickes auf sich wirken.
  • Lassen Sie Ihre Gefühle zu. Lassen Sie Erinnerungen an Gemeinsames auftauchen, vielleicht möchten Sie dem/der Verstorbenen noch dafür danken.
  • Beachten sie den entspannten und friedvollen Ausdruck im Gesicht der/des soeben Verstorbene. Vielleicht gelingt es Ihnen, neben Ihrer Trauer auch ein bisschen Erleichterung wahrzunehmen, Erleichterung darüber, dass er/sie es geschafft hat.

Sterben in einer Einrichtung

Was tun?

  • Sparen Sie den Tod und das Sterben im Gespräch mit den behandelnden ÄrztInnen und den zuständigen Pflegepersonen nicht aus. Für BetreuerInnen ist es oft sehr entlastend, von einer PatientIn zu hören: „Ich weiß, ich werde bald sterben. Wichtig wäre mir …. Für meine Angehörigen wünsche ich mir ….“
  • Gleiches gilt, wenn Sie zu den Angehörigen zählen: „Ich spüre, die Kraft meines Vaters geht zu Ende.“ Mit einem Gespräch im Vorfeld haben Sie gute Chancen, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen: „Ist es möglich, dass wir ab jetzt immer bei ihm sind? Können Sie uns bitte auch in der Nacht verständigen, wenn es soweit ist?“
  • Fragen Sie nach und lassen Sie sich erklären, welchem Therapieziel die laufenden medizinischen und pflegerischen Maßnahmen dienen. Manchmal ist das Zurücknehmen von Behandlungen und Routinehandlungen und das Gewähren von Ruhe die wichtigste Intervention in der letzten Lebensphase.
  • Auch erfahrene BetreuerInnen können den genauen Zeitpunkt des Sterbens oft nicht genau vorhersagen. Selbst bei großer Achtsamkeit ist es nicht immer möglich, die Angehörigen rechtzeitig zu verständigen. Manche Menschen ziehen es vor, in einem Moment zu sterben, in dem sie gerade alleine im Zimmer sind. Andere tun ihre letzten Atemzüge im Beisein einer zugewandten „fremden“ Pflegeperson.
  • Wenn der Tod eingetreten ist, schreiben viele Spitalsabteilungen routinemäßig ein letztes EKG. Bitten Sie, vorher und nachher ausreichend Zeit für Ihr persönliches Abschiednehmen zu bekommen (siehe Abschiednehmen). Ersuchen Sie darum, dass Schläuche oder nicht mehr notwendige medizinische Geräte, an die der/die Verstorbene angeschlossen war, soweit als möglich entfernt werden.
  • Sind aus medizinischer Perspektive Fragen zum Krankheits- und Behandlungsverlauf offen oder die Todesursache unklar, wird im Krankenhaus auf Anordnung der behandelnden ÄrztInnen eine Obduktion durchgeführt.
  • Oft wird der Leichnam nach einer gewissen Zeit in einen Verabschiedungsraum gebracht. Angehörige, die von weiter her anreisen, können dort auch später noch Abschied nehmen. Manche SeelsorgerInnen bieten Angehörigen ein Abschiedsritual in diesem Verabschiedungsraum an. Danach kann es leichter sein, den verstorbenen Körper des lieben Angehörigen zurückzulassen. Fragen Sie nach den jeweiligen Gepflogenheiten in diesem Haus.
  • Krankenhäuser stehen oft unter großem Druck, nach einem Todesfall rasch wieder die Routine aufzunehmen. In einem Pflegeheim ist die Situation zumeist entspannter und mehr Raum für Abschied und Rituale da. Erkundigen Sie sich in jeden Fall vorab auf der Station, wie der Abschied in diesem Haus und auf dieser Station gehandhabt wird. Den Tod festzustellen und den Leichnam für die Bestattung freizugeben, ist in jedem Pflegeheim Sache des sogenannten Beschauarztes.
  • Pflegeheime, die sich mit Sterben und Tod und der Zeit davor auseinandergesetzt haben (beispielsweise im Rahmen des Projekts „Hospizkultur und Palliative Care im Pflegeheim“ von Hospiz Österreich) sehen Sterben als Teil des Lebens.
    In diesen Häusern ist es üblich, mit den BewohnerInnen schon kurz nach ihrem Einzug über ihre Wünsche für ein gutes Leben im Heim und am Lebensende zu sprechen. Wenn es die BewohnerInnen wünschen, werden auch die Angehörigen in dieses Gespräch einbezogen.
    Die Betreuungsteams dieser Heime bieten An- und Zugehörigen rund um die letzten Tage oder nach dem Versterben der Bewohnerin bzw. des Bewohners oft liebevolle Rituale an.

Welche Heime in Österreich Hospizkultur und Palliative Care integriert haben, finden Sie unter: Einrichtungsübersicht

Zu Hause sterben

Was tun?

  • Verständigen Sie Haus-, Amts- oder Gemeindearzt/ärztin, damit er/sie eine „Totenbeschau“ durchführen und einen Totenschein ausstellen kann.
  • Verändern Sie nichts, weder Lage noch Bekleidung des/der Toten, ehe der/die Totenbeschauarzt/ärztin da war.
  • Verständigen Sie Ihr Palliativ- oder Hauskrankenpflege-Team, sie werden Ihnen dabei behilflich sein, den Verstorbenen, die Verstorbene ein letztes Mal zu pflegen.
  • Angst vor dem sogenannten Leichengift ist fehl am Platz. Sie dürfen die Verstorbene/den Verstorbenen ebenso berühren, wie Sie es zuvor getan haben.
  • Erst wenn Sie dazu bereit sind, verständigen Sie die Bestattung. Dort wird man gemeinsam mit Ihnen die nächsten Schritte klären.
  • Wenn Sie das wünschen und es rechtlich erlaubt ist, dürfen Sie Ihre/n liebe/n Verstorbene/n auch noch ein bis zwei Tage zu Hause aufbahren. Dabei ist zu beachten, dass je nach Erkrankung und auch nach Außentemperatur mit der Zeit ein unangenehmer Geruch entstehen kann. Sollte das der Fall sein, so ist das Bestattungsinstitut auch gerne bereit, den Verstorbenen, die Verstorbene früher als zunächst vereinbart abzuholen. Wichtiger Hinweis: Erkundigen Sie sich bitte nach der Rechtslage in Ihrem Bundesland. In Wien, NÖ und dem Burgenland besteht z.B. ein Haus- und Kirchenaufbahrungsverbot.

Abschied nehmen

Was tun?

  • Es ist eine besondere Atmosphäre, die sich oft im Zimmer eines verstorbenen Menschen ausbreitet. Von Angehörigen und  Betreuenden wird es meist als sehr wohltuend empfunden, still am Bett der/des Verstorbenen zu sitzen. Dabei kann meist beobachtet werden, wie der Gesichtsausdruck sich über Stunden immer wieder verändert. Der tiefe Ausdruck von Entspannung und Frieden wird intensiver und viele Angehörige empfinden das als entlastend.
  • Vielleicht gibt es etwas, das Sie Ihrem Verstorbenen, Ihrer Verstorbenen mitgeben möchten? Vielleicht einen kleinen Gegenstand, den er/sie besonders mochte, zum Beispiel ein bestimmtes Foto, eine Zeichnung oder einen Brief? Kinder fertigen gerne eine Zeichnung als Grab-Beigabe an, oder sie suchen im Blumengeschäft eine einzelne, besonders schöne Blume als letztes Geschenk aus.
  • Denken Sie an Angehörige, Freunde und  Freundinnen des /der Verstorbenen. Vielleicht gibt es jemanden, dem es wichtig ist, sich persönlich verabschieden zu können. Bitte vergessen Sie dabei die Kinder nicht. Für sie ist es ebenso wichtig, sich verabschieden zu können. Die Sorge, dass kleinere Kinder damit überfordert sein könnten, ist unbegründet. Kinder gehen mit Verstorbenen sehr natürlich um und wir können von ihnen lernen. Wichtig ist, dass wir alle Fragen, die sie stellen, offen beantworten und  es ihnen selbst überlassen, ob sie den Verstorbenen, die Verstorbene berühren wollen. Sie dürfen das selbstverständlich, aber Kinder sollten zu nichts gedrängt werden.
  • Wenn es Ihnen unangenehm ist, allein mit dem/der Verstorbenen zu sein, rufen Sie jemand aus Ihrem Verwandten- oder Freundeskreis an – am besten jemand, der schon Erfahrung mit Sterben und Tod hat.
  • Manche Angehörigen haben Schuldgefühle, wenn sie genau im Augenblick des Todes nicht beim/bei der Sterbenden waren. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Menschen häufig dann leichter gehen, wenn sie allein sind.

Kinder und Tod

Was tun?

  • Erzählen Sie Ihrem Kind in passenden Worten die Wahrheit. Sie riskieren sonst einen tiefen und möglicherweise langfristigen Vertrauensverlust.
  • Lassen Sie Ihr Kind an den Ereignissen teilhaben. So fühlt sich Ihr Kind ernst genommen und integriert. Sie signalisieren ihrem Kind damit: „Du gehörst dazu, ich traue dir das zu.“
  • Nehmen Sie Ihr Kind zum Sterbebett mit. Erklären Sie ihm zuvor, was es sehen, hören und fühlen wird („Der Opa liegt im Bett, er kann nicht reden, er atmet schwer, seine Hände sind ganz kalt …“)
  • Vielleicht möchte Ihr Kind kleine Pflegehandlungen, wie das Reichen eines Getränkes, übernehmen.
  • Wichtig ist die klare Benennung des Todes. Sagen Sie: „Der Opa ist gestorben.“ Vermeiden Sie Umschreibungen wie „Der Opa ist eingeschlafen oder von uns gegangen.“ Kinder nehmen dies oft wörtlich.
  • Geben Sie ihrem Kind die Möglichkeit, von Verstorbenen Abschied zu nehmen. Wichtig ist auch hier, dem Kind vorher genau zu erklären, was es erwartet: „Der Opa ist tot. Er liegt im Bett, er kann sich nicht mehr bewegen, er ist ganz kalt, seine Haut schaut bleich aus, …….. “ Kinder müssen sehen und fühlen dürfen, um begreifen zu können. Ein natürlicher Impuls von Kindern ist es oftmals, den Toten anzugreifen. Das ist in Ordnung.
  • Es kann hilfreich sein, wenn Kinder Verstorbenen noch etwas mitgeben, wenn sie sich verabschieden. Dies kann ein Bild, ein Brief oder etwas Selbstgebasteltes sein.
  • Lassen Sie Ihr Kind an den Begräbnisvorbereitungen und am Begräbnis teilnehmen. Vielleicht möchte Ihr Kind eine eigene Kranzschleife gestalten.
  • Kinder trauern anders als Erwachsene. Sie trauern meist punktuell, also in sehr abgegrenzten Zeitabschnitten.
  • Gestalten Sie mit Ihrem Kind eine „Erinnerungskiste“, in der es wichtige Gegenstände, die an Verstorbene erinnern, aufbewahren kann.
  • Jugendliche brauchen in dieser Zeit ein erhöhtes Maß an Toleranz und Wertschätzung. Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule und zeitweiser Rückzug treten häufig auf und sind normal.