Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Österreich

2. Fachtagung HPC Mobil: Schwerkranke und sterbende Menschen zu Hause betreuen bis zuletzt – Arbeit an Grenzen

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Die 2. Fachtagung im Projekt „Hospizkultur und Palliative Care in der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause – HPC Mobil“  war ein Tag voller Dynamik und Lebendigkeit mit vielen Diskussionen und lebhaftem Austausch.  Sie fand am 9. November 2017 im Jufa City Hotel Wien statt und wurde von Ralph Grossmann und Christiane Krainz einfühlsam und mit Humor moderiert.

Das Thema „Arbeit an Grenzen“ trifft den Kern der Erfahrungen vieler, die in der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause (= Hauskrankenpflege und Heimhilfe) ihre Arbeit mit großem Engagement täglich leisten. Sie sind alleine unterwegs, kommen in das Zuhause der kranken Menschen, um zu helfen, und müssen mit vielen anderen, z.B. den HausärztInnen, den spezialisierten Hospiz- und Palliativteams, den Rettungsdiensten, dem Krankenhaus, den 24 BetreuerInnen… bestmöglich zusammenarbeiten, wenn die Betreuung bis zuletzt gelingen soll.

Wie eine  Betreuung zu Hause bis zuletzt möglich werden könnte, zeigte der berührende Einstiegsfilm „Mutmacher für ein Sterben zu Hause“. Er wurde im Rahmen des Projektes gemeinsam mit den vier teilnehmenden Trägern entwickelt. Der Film findet sich auf  youtube

Zum jetzigen Zeitpunkt hat der Clip noch etwas Visionäres: derzeit wünscht sich der Großteil der in Österreich lebenden Menschen, zu Hause zu sterben, doch real sind es nur 27,4 %, im städtischen Raum sogar unter 15%, die tatsächlich zu Hause versterben können.

In ihrer Begrüßung wies Waltraud Klasnic,  Präsidentin von Hospiz Österreich, auf den Mut hin, den diese  vier Träger bewiesen haben, sich mit dem Thema Sterben und Tod in dieser Intensität auseinanderzusetzen. „Diese Träger verändern ihre Organisationstruktur und sorgen für entsprechende Fortbildung zum Thema Hospiz und Palliative Care für ihre MitarbeiterInnen, damit diese in der Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen gut unterstützt sind. Diese vier Träger pilotieren für sich, aber auch für alle anderen in Österreich.“  Sie dankte der Frauenstadträtin, dass sie dieses Engagement der Träger und von Hospiz Österreich gewürdigt hat, indem das Pilotprojekt HPC Mobil den 3. Preis des Wiener Gesundheitspreises erhielt.

Highlights bisher

Sigrid Beyer, Projektleiterin von HPC Mobil, spannte den Bogen des Projektes vom Beginn im Juni 2015 bis zur Gegenwart mit den wichtigsten Highlights, wie z.B. den 71 ausgebildeten TrainerInnen in den Trägerorganisationen, den 57 Workshops HPC Mobil für die MitarbeiterInnen, die schon stattgefunden haben, der Supervision für die Palliativbeauftragten bezogen auf die Organisationsstruktur, die Fachtagungen, die Evaluierung durch die Wirtschaftsuniversität/NPO Institut Wien und vieles mehr.

Vorausschauende Planung

100 engagierte TeilnehmerInnen, darunter viele Pflegende und Betreuende, auch HausärztInnen, Leitende der Träger, Geschäftsführungen, aber auch Fördergeber und Gäste aus den Bundesländern setzten sich mit dem Thema der häuslichen Betreuung  bis zuletzt auseinander. Es wurde u.a. intensiv über die Wichtigkeit der vorausschauenden Planung diskutiert.

Man war sich darin einig,  dass es rechtzeitig Kommunikation von allen Beteiligten an einem Tisch braucht, wenn man in der Krisensituation nach dem Willen und den Wünschen der KlientInnen handeln will, wenn unnötige Krankenhauseinweisungen und unnötiges Leid der KlientInnen und deren Angehörigen vermieden werden soll. Dass dieses Leid aber auch die Betreuenden trifft, darauf verwies Karin Böck in ihrem Impulsreferat.  In Krisensituation müssen Entscheidungen von den Pflegenden oft sehr schnell getroffen werden, und wenn es keine dokumentierten Wünsche oder Willensäußerungen gibt, dann kann es sehr schwierig sein ethisch richtig zu entscheiden und zu handeln. KlientInnen, die im Rettungsauto versterben, weil man sie noch ins Krankenhaus einliefern lassen wollte, KlientInnen mit einem Herz- Kreislaufstillstand, wo das Sterben schon absehbar war, und die man reanimiert hat, solche und ähnliche Situationen belasten Pflegende oft über viele Jahre, sie verursachen emotionalen, psychischen und körperlichen Stress und können auch zu Burnout führen.

Peter Schuh, Allgemeinmediziner aus Oberwart, verwies in seinem Impulsreferat auf die Aufgabe, die HausärztInnen haben und dass es ihnen möglich gemacht werden muss, diese zu erfüllen, nämlich ihre PatientInnen zu Hause bis zuletzt zu betreuen. Das braucht neben aller Fachlichkeit vor allem viel an Kommunikation und Kooperation. ÄrtzInnen müssen in ihrer Ausbildung lernen, dass es nicht nur ihre Aufgabe ist zu heilen, sondern auch zu begleiten bis zuletzt, dass schwerkranke und sterbende Menschen sie brauchen und dass sie für diese da sind.

Wie auch schon bei der ersten Fachtagung wurde die Wichtigkeit von flexiblen Zeiten in der Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen erwähnt. Die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen braucht Kontinuität, Fachlichkeit und eine Haltung der Achtsamkeit  in der Betreuung. Auch die Angehörigen brauchen Zeit von den Betreuenden, sie müssen informiert, angeleitet und manchmal auch getröstet werden.

Einblicke in das Pilotprojekt

Diese  Fachtagung legte den Fokus nicht nur auf die MitarbeiterInnen der Träger und die Weiterentwicklung des Themas, sondern präsentierte mit großer Offenheit  den Stand des Pilotprojektes für alle Interessierten. In kooperativ gestalteten Infopoints erhielten die TeilnehmerInnen von den Führungskräften der ersten und zweiten Führungsebene, von operativen Führungskräften und den Palliativbeauftragten einen umfassenden Blick auf das Pilotprojekt.  Petra Hellmich (Arbeiter Samariter Bund Wien), Christian Klein (Caritas der ED Wien), Otto Knapp (Volkshilfe Wien) und Robert Oberndorfer (CS Caritas Socialis) als GeschäftsführerInnen bzw. zuständige BereichsleiterIn der vier teilnehmenden Träger beurteilten in der Interviewrunde von Ralph Grossmann das Projekt in seinen bisherigen Auswirkungen und der Zusammenarbeit mit anderen Trägern einhellig sehr positiv und empfahlen anderen Trägern HPC Mobil auch umzusetzen. Die Grenzen in der Umsetzung seien u.a. struktureller und damit zusammenhängend auch finanzieller Art.

Seit dem Projektbeginn Mitte 2015 arbeiten diese vier Träger unter der Projektleitung von Hospiz Österreich und dem Organisationsberater Ralf Grossmann kooperativ an der Entwicklung von Hospizkultur und Palliative Care in der eigenen Organisation und für alle MitarbeiterInnen. Es geht um Organisationsentwicklung zu Hospizkultur und Palliative Care und darin eingebettet spezifische Fortbildung.

Waltraud Klasnic ermutigte zum Schluss alle, den bereits begonnenen Weg weiterzugehen, das Ziel immer im Blick  zu haben und weiterhin so viel Mut zu beweisen, damit  schwerkranke und sterbende Menschen, die zu Hause sterben wollen, diesen letzten Wunsch erfüllt bekommen. Das ist aber nur möglich, wenn die Betreuenden gut unterstützt sind in ihrer täglichen, engagierten und herausfordernden Tätigkeit und wenn jeder Träger in seinen Strukturen eine hospizliche Haltung verankert hat und es ausreichend Kompetenz zu Hospiz und Palliative Care gibt.

Film: ANSCHAUEN, ANKLICKEN, WEITERLEITEN…

Gefördert aus den Mitteln des Fonds Gesundes Österreich

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